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THE XX: Maximale Minimalisierung

THE XX: Maximale Minimalisierung

Kann man bei einer Band wie The XX von Stagnation sprechen? „Coexist“ jedenfalls klingt wie ein langer Atemzug („Like breathing was easy“) und wenig anders als der Vorgänger. Die Musik beansprucht ihre ganz eigene Zeit und den Frischverlassenen stockt an jenen Stellen bestimmt wieder der Atem, wo Ruhe einkehrt und die Atmosphäre für einen kurzen Augenblick innehält. Eine schöne Platte für trübe Tage und besonders nachdenkliche Momente.

Es gibt nicht viele Gruppen, die es schaffen, ihre Karriere konstant, aber unaufgeregt von einem Höhepunkt zum nächsten zu treiben. Nun sind wieder da, die drei Leisetreter aus London. Mit ihrem Debütalbum haben Romy Madley Croft, Oliver Simund und Jamie XX mit Gewohnheiten gebrochen und viel Lob einsacken dürfen. Es gab Leute, die hörten wochenlang nichts anderes mehr. Andere klagten wiederum, auf „The XX“ würde sich alles gleich anhören und wenig bis nichts passieren.
Beide Lager hatten natürlich recht. Es blieb einem selbst überlassen, zu welcher Partei man sich hinzugesellen wollte. Jetzt, nach dem großen Durchbruch, denken The XX überhaupt nicht daran, große Änderungen an ihrem Sound vorzunehmen. Sie verfeinern an einigen Stellen nur das absolut Nötigste. Ob „Coexist“ die gleiche Halbwertszeit haben wird wie sein großer Bruder?

Ganzheitliche Entschleunigung. Entschlacken liegt ja nicht nur bei der weiblichen Zielgruppe im Trend. The XX lassen alles weg, was das Bild verhuschen, überladen wirken lassen würde. Nur nichts überstürzen oder überhasten, die (digitalisierte) Welt dreht sich ja sowieso schon schnell genug. In Zeitlupentempo geht es vorwärts durch unterkühlte, hallende Räume, allerdings ist die Temperatur um 2 bis 3 Grad Celsius gestiegen. Ein Song wie „Swept Away“ hat einen wärmeren Kolorit als vieles, was man bislang vom Trio hören durfte. Nichtsdestotrotz überwiegen die angeschlagenen, entkräfteten Momente. Trübsal blasen an der Bettkante ist also abermals erlaubt.

Wenn das Licht blass durch die Wolken drängt, kann „Coexist“ diesem Moment zweifelsohne verschönern. Rotweingetränkte Kerzenlichtstimmung passt wunderbar zu diesem Cocktail aus Akustikgitarren und dezenten Grooves. Immer dann, wenn die Lieder ein bisschen Rückenwind benötigen, kommen eine muntere Melodie, Reverbeffekte und träumerische Vocals dazu. Die sphärisch-vertrackten Arrangements können immer noch nicht vom Schattigen lassen. Tapfer treten The XX den Themen entgegen, die tief schürfen. Sie machen keine Kehrtwende, vor den Dingen, die weh tun und schmerzen. Deswegen liebt man die Band doch schlussendlich, oder?

Ein weiterer Zufallstreffer in Serie. Für meinen Geschmack hätten The XX ruhig in extremere Gefilde aufbrechen können. Trotzdem: Mit höchster Wahrscheinlich erneut eine der Konsensplatten des Jahres.

Facts:
The XX – Coexist
Gesamtspielzeit: ca. 38 Minuten
Young Turks (XL Recordings)

Links & Webtips:
thexx.info
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Foto: XL Recordings

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