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VILLAGERS: Salopp im Kollektiv

VILLAGERS: Salopp im Kollektiv

Wer Conor O’Brien und seine Villagers vorschnell als Bright Eyes-Kopie abtut (davon gibt es so einige), macht es sich immer noch zu einfach. Schublade auf, Schublade zu? Bitte nicht! So folkig wie freiheitsliebend ist das neue Album eine mehr als willkommene Angelegenheit.

Villagers

„{Awayland}“ heißt der Nachfolger des sehr guten Debütalbums „Becoming A Jackal“. 2010 konnte sich der Sänger damit über eine Nominierung für den ruhmreichen britischen Mercury Music Prize freuen. 2013 landet sein neues Album an der Spitze der irischen Charts. O’Brien hat seine Aufgaben jedenfalls gemacht und sein Klangspektrum erweitert, malt jetzt mit noch mehr Farben. Ein wild strudelnder Melting Pot der Klänge und Gefühle, im Detail äußerst facettenreich wie das Cover.

So sehr die Villagers auch wirbeln und stampfen – O’Brien hält auf wundersame Weise die Schnüre zusammen. Obwohl es sein Baby ist, trägt jeder, der involviert ist, seinen Teil dazu bei. Gemeinschaftliche Arbeit scheint er zu schätzen, nicht umsonst heißt die Website wearevillagers.com. Elf Songs, die mit ihren jeweiligen Einzelheiten die Neugier wecken und deren separate Bestandteile besonders gut in Szene gesetzt sind. Es ist ein Spiel von unterschiedlichen Ebenen, bei dem der Pomp nie die Oberhand gewinnt. Wohl dosierte Dissonanzen, die mal unnahbar, mal sehr direkt in ihrem Drang sind – wie „Earthly Pleasure, ein unbeirrbares Stück Musik, aufschwingend und bestimmend wie eine Dampflok.

Vill

Arrangements mit viel Dramatik wechseln sich ab, die wiederholt klangliche Ausraster in den Mittelpunkt des Geschehens stellen. „The Waves“ etwa wird mittels Elektronikeinschüben auf den Weg gebracht um am Ende ein Inferno auszulösen und Krawall zu machen, während immer wieder die Zeilen „I am a wave, I break through the barrier reef, cut through the carbon sea, approaching the shore“ wiederholt werden, fast so, als würde ein Schiff unweigerlich auf einen Eisberg zusteuern und nicht mehr ausweichen können.

„Nothing Arrived“, der betrübte Hit der Platte, schaltet für die nächste Autofahrt übers Land einen Gang runter. Auch „The Bell“ betört und lässt mich wegen seiner mystischen Aura an Nick Cave And The Bad Seeds denken. Das von schiefen Tönen geplagte „Passing A Message“ gewinnt erst dadurch seinen Reiz und liebäugelt mit cleanen Interpol-Gitarren, während der „Grateful Song“ ausschweift und die Stimmung mittels besonnenem Gitarrenpicking aufwertet.

Auf der Suche nach den perfekten Indiesongs haben die Villagers mit „{Awayland}“ das Ortsschild bereits im Blickfeld. Der kommt auf die tollsten Sachen, dieser Conor.

Cover

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Earthly Pleasure, Nothing Arrived, The Bell
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Rich Gilligan, Domino Records
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