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Der Mann – Wir sind der Mann

Der Mann – Wir sind der Mann

Vergesst die Töchter in der Bundeshymne, denn: Wir sind der Mann! Berthold, George und Ray Mann wollten das Lebensgefühl von uns Männern auf Platte zu bannen, sodass man nur mehr grantig mit einer Flasche Bier vor den Boxen hängen bleiben kann.

Die Türen öffneten sich und heraus kam: Der Mann. Nein ernshaft:  Die 2002 gegründete Berliner Band „Die Türen“ existieren zwar bis heute noch, doch offenbar wollten sie sich etwas Abwechslung gönnen. Und das schaffte der „Glückskeks einer postfordistisch verwalteten Welt“, wie die Gruppe von einem Musikjournalisten aufgrund ihrer Stilvielfalt einmal genannt wurden, durch den einfachen Trick: man nehme ein paar Ur-Türen, setzt sich mit einen Malers und eine 3D-Filmanimationsfirma an den Tisch und schafft etwas Neues. Und das ist ihnen in gewisser Weise auch gelungen. Berthold, George und Ray Mann, die Alter Egos der Männer auf dem Türen-Ensemble gehen dabei in ihrer Rolle auf.

Zwei Jahre nachdem „Die Türen“ das gelungene Album ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ abgeliefert haben, wissen sie offenbar ganz genau, was sie alles nicht mögen, und vor allem warum. Ich bin ein Mann nennt sich dieses Lied, was mit all ihrem rhythmischen Grant einen tiefen Einblick in die Seele eines jeden Mannes liefern möchte. Das gesamte Album ist recht solide, mal lustige, mal einfach nur gute Texte, musikalisch einwandfrei, aber außer dem irgenwie ja doch recht unterhaltsamen Grantlied fehlt es dem Album an wirklichen Ohrwürmern. Das ist schade.

Alles keine Arbeit ist noch hörenswert, Wo fängt Mann an? oder auch das Eröffnungslied Menschen machen Fehler. Alles wirklich gute Lieder, aber nichts, das mich beim mehrmaligen Durchhören vom Hocker gehaut hat. Im Gap sind sie sogar gänzlich unzufrieden mit dem aktuellen Türen-Projekt: Ironische Männlichkeitsdekonstruktionen und die grönemeyersche Frage nach dem, was einen Mann zu einem Mann macht, sind halt auch nicht mehr das, was sie einmal waren.“ Ich bin der Meinung: Grönemeyers Männerüberlegungen darf man immer (ich meine: IMMER!) ironisch hinterfragen.

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Die Türen schufen mit Der Mann, welcher Ich bin der Mann schuf, sozusagen ein Ventil. Ein lustiges, wohlgemerkt, aber kein umwerfendes. Vielleicht haben sie aber auch nur einen Grund gesucht, um wieder auf Tour gehen zu können. So haben sie für Februar mal eine kleine Deutschlandtour namens „Die Türen spielen der Mann und andere Schweinereien“ geplant, alles nur, „um die Songs von Der Mann live zu huldigen.“ Zusammenfassend kann man (noch einmal) sagen: solider Deutsch-Indie-Pop-Spaß, manchmal recht lustig, sehr gute Texte, aber in Summe nicht wirklich bahnbrechend. Lieber die Türen wieder schließen und dort an neuen Songs arbeiten.

(Und: Die Töchter bitte nicht vergessen. Unsere offizielle Hymne handelt von Söhnen und Töchtern und das ist auch sehr, sehr gut so!)

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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