BLOC PARTY: #früherwarallesbesser?

BLOC PARTY: #früherwarallesbesser?

Die Musikpessimisten unter uns haben wieder einen Grund, nostalgisch zu werden und die passenden Hashtags für die Onlinewelt aus dem Ärmel zu zaubern. Warum? Weil jedes neue Bloc Party-Album genügend Gründe bietet, um als Fan auf die Barrikaden zu gehen und sich mit der Frage zu beschäftigen, ob früher in der Welt der Popkultur wirklich alles besser war.

Credit Rachael Wright

Hängen wir zu stark an ideellen Zuständen, um monetären zu wenig Beachtung zu schenken? Im Fall der Londoner heißt das dann: Zu viel blubbernde Elektronik, die uns die Stimmung versaut, zu wenig feister Indierock, ums uns zu begeistern? Eine lose Ansammlung von andersartigen Songs oder ein stimmiger roter Faden? Viel Gefühl oder viel Füllmaterial? „Hymns“ ist beides.

Das letzte Studiowerk „Four“ war für Bloc Party die Wiederentdeckung als Rockband und, bei aller Liebe, auch etwas stumpf, risikolos und beliebig. Nach dem Weggang von Bassist Gordon Moakes und Schlagzeuger Matt Tong, der viele Songs aus dem Fundus der Gruppe mit seinem dynamischen Stil prägte, und dem Zugang von Justin Harris und Louise Bartle, fordert das neu formierte Quartett erneut die Toleranz der Fans heraus. Obwohl zwischen atmosphärischer Ballade und Großraumdisko das Soundbild stark schwankt, traut man sich hier wenigstens noch was. Die britische Class Of 2005 ist längst flügge geworden, man darf sich also durchaus was trauen.

„Don’t you want to geht high“, fragt Kele Okekere mehrmals im Opener „The Love Within“ und Fans der Anfangszeit halten das Gedudel, welches einem um die Ohren flattert, eventuell nicht lange aus. Neuankömmlinge und Freunde großer Experimentierlust dürfte es bei Laune halten. Der Refrain versöhnt. Drum’n’Bass-Elemente halten in „Only He Can Heal Me“ Einzug, dazu gibt es pastorale Chorgesängen dezent im Hintergrund. Ja, richtig gelesen. Bereits hier hat man das Gefühl, dass kein Stein auf dem anderen übrig geblieben ist.

hymnsVon mutigen Statements, persönlichen wie politischen, zur Lage der britischen Twenty- und Thirty-Somethings (siehe „A Weekend In The City“), hat man sich längst verabschiedet. Von dieser Motivation, die in der jüngsten Vergangenheit Songs wie „Hunting For Witches“ oder „Waiting For the 7:18“ ausgezeichnet hat, ist weiterhin wenig zu spüren. Kele Okereke bietet lieber Einblick in sein persönliches Seelenleben als textlich zu äußeren Umständen Bezug zu nehmen, wirkt dabei als Sänger so präsent wie nie. Eine Spur Optimismus pflügt ansonsten durch das Songmaterial („The Good News“). Und während die Synthies, Texturen und Loops blinken und fiepsen, kristallisieren sich die wahren Schmankerl heraus. Das melancholische, Schicht um Schicht auftürmende „Different Drug“ beispielsweise, das auf eine Klimax zusteuernde „Living Lux“ oder das schmissige „My True Name“.

Dieser Baukasten schimmert in vielen Farben – wie ein Prisma. Ein Neuanfang für Bloc Party auf dünnem Eis? Mitnichten. Das Schiff hält wieder Kurs. An Postpunk-Elementen wird zwar gespart, dafür darf sich atmosphärischer Indie rock facettenreich zeigen. Dieser marschiert in seinen besten Momenten entweder schnurstracks geradeaus („Virtue“) oder es fehlt ihm an Tiefenschärfe („Exes“, „So Real“). Diese Neuausrichtung ist noch nicht abgeschlossen.

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