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Stream Festival 2018: ein würdiger Abschluss

Wer am Samstag bereits um 16:30 Uhr fit von den Nightlines am Vortag war, konnte sich im AEC dem Talk „WE ARE SO Streaming“ anschließen. Hier wurde über die Vor & Nachteile der Streaming-Dienste wie Spotify diskutiert und man gewann den Einblick, wie Musiker und Industrie dazu stehen.

Den Anfang auf der FM4 Bühne bei gefühlten 600 Grad (Hitzewallungen vom Kater vom Vortag nicht mit eingerechnet) machten dann, anstelle von Lea Santee, die kurzfristig wegen eines Trauerfalls absagen mussten, Palastic. Mit einem „freshen“ DJ-Set brachten diese sogar ein paar Hartgesottete zum Tanzen und schafften einen soliden Start in den Samstagnachmittag. An dieser Stelle möchten wir Lea Santee auch alles Gute ausrichten. Stay Strong!

Als nächstes betraten Viech die mittlerweile ganz ordentlich besuchte Bühne am Urfahranermarktgelände. Die drei Wahl-Wiener hatten dabei ihr aktuelles Album „Heute Nacht nach Budapest“ mit im Gepäck und waren die perfekte Vorband für einen Headliner wie Tocotronic. Mit ihrem österreichischen Indie-Rock erinnern sie doch etwas an die deutschen Kollegen, machen das auf keinen Fall schlechter und lockten auch zusehends immer mehr Leute vor die Stage. Ein wirklich toller Auftritt, der trotz kuzzeitigem technischen Gebrechens am Schlagzeug mit einem der wohl schönsten Liebeslieder an diesem Wochenende überbrückt wurde.

Wer hoffte, dass die norwegische Band Gundelach die kühlen skandinavischen Temperaturen mitnehmen würde, wurde leider entäuscht, denn Frontman Kai Gundelach aus Oslo heizte nochmal ordentlich ein, bevor allmählich die Sonne hinterm AEC verschwand. Von Synth über Pop zu besten E-Gitarren-Solos fand man alles im Repatoire – und die Band überzeugte wohl einige im Publikum.

Als Pre-Headliner holten die Veranstalter des Stream Festivals dann die großartige Band Lola Marsh nach Linz. Die sechs Israelis rund um die sympathische Power Frau Yael Shoshana Cohen und Frontmann Gil Landau verbreiten Stimmung ab den ersten Akkord und gehen in ganz Europa durch die Decke. Mit den Songs „You’re Mine“ und „Wishing Girl“ gelang der große Durchbruch und wurde mittlerweile zu einem Gesamtkonzept, das von Anfang bis Ende zum Tanzen, Klatschen und Pfeifen einlädt und alles um einen herrum vergessen lässt. Man hat auch das Gefühl: Lola Marsh sind noch lange nicht am Zenit, wenn man beobachtet,  welche Lust und Dynamik sie bei ihren Liveauftritten an den Tag legen.

Unter anderen Vorzeichen stand dann der Auftritt von Tocotronic. Headliner auf allen Bühnen im deutschprachigen Raum seit 25 Jahren – und noch immer nicht müde. Leider begann das Konzert um gute fünf Minuten zu früh, denn nicht wenige schauten beim ersten Song noch gespannt in ihre Handys, um die letzten Spielzüge des geschichtsträchtigen Freundschaftsspiels Österreich vs. Deutschland via Livestream zu verfolgen. Nach dem letzten Jubelschrei mit Abpfiff in Cordoba, sorry Klagenfurt, galt die gesamte Aufmerksamkeit jedoch wieder den Indie-Rock Göttern aus Hamburg. Zum ersten Mal an diesem hochsommerlichen Wochenende war auch das Urfahraner Marktgelände randvoll – und dies kann man wohl als Liebesbeweis der Fans an Tocotronic betrachten. Von „Let there be Rock“ über „Aber hier leben, nein danke“ zu “ Macht es nicht selbst“ wurde gefühlt jeder „Hit“ der 25jährigen Bangeschichte gespielt – und so gab es für das feiernde Publikum auch die erste Zugabe am Streamfestival. Bleibt nur noch zu sagen: „Auf die nächsten 25 Jahre!“

Wie schon an den Vortagen ging es danach in den zahlreichen Clubs der Linzer Innenstadt mit der Nightline weiter und es war wohl auch für jeden etwas dabei. Gerüchten zufolge schafften es auch aus unserer eigenen Redaktion manche nicht ins Bett, bevor die Sonne schon hoch über dem Sonntag stand. Das lassen wir jedoch mal so stehen – und freuen uns auf ein Wiedersehen beim nächsten Stream Festival!

Fotos: Andreas Wörister / Slihs Photography, Christoph Thorwartl

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Größte Errungenschaft: Award für die beste betrunkene Subtext Schiedsrichter-Leistung 2017

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