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Isolation Berlin: ein außergewöhnlicher Samstagabend

Letzten Samstag fand sich die deutsche Protopunkpop Band Isolation Berlin zum Abschluss ihrer Album-Release-Tour in der Kapu ein. Ein durch und durch ausgezeichneter Abschluss, bei dem dem neuen Album „Vergifte Dich“ mehr als genügend Platz eingeräumt wurde. Als Vorband war mit Шaпκa eine sehr außergewöhnliche Band mit an Bord.

Schön zu sehen, dass die Kapu an diesem Samstag mit ca. 130 Gästen sehr gut gefüllt war. Zu Beginn des Abends, wobei Abend Kapu-typisch mit kurz nach 22:00 relativ war, hatten Шaпκa die Ehre für die Berliner zu eröffnen. Von diesen im Radio der deutschen Hauptstadt entdeckt und sofort für sämtliche Österreich-Termine im Tourbus mitgenommen. Gleich vorweg: so schwer hab ich mir als Mann noch nie getan eine Band zu bewerten. Instrumental und rein musikalisch war das guter Durchschnitt, passend, aber nichts Besonderes. Textlich hingegen eindeutig etwas Besonderes. Hochpolitisch, außergewöhnlich und vor allem eines: mutig. Als Frauenband in den Texten Themen wie Menstruation, Squirting und co zu thematisieren muss man sich, leider, in der heutigen Zeit erstmal trauen. Umso erfrischender und schöner, wie unbekümmert und krampfrei das hier kommuniziert wurde, gepaart mit hochsympathischer Art, viel Mut,  auflockernder Gestik und spontanen Aktionen absolut Top. Trotzdem bleibt das alles sehr stark Geschmackssache, und ja, als Mann tu ich mir stellenweise sehr schwer, mich mit diesen Themen zu identifizieren. Nicht falsch verstehen. Ich fände auch männliche Band, die einen Song rein über das Wixen, man verzeihe mir diese pikante Wortwahl, performen, ebenso wenig ansprechend. Darum ein Auftritt, der mich ganz persönlich nicht über die gesamte Dauer mitreißen, begeistern und berühren konnte. Jedoch aber ein wohl sehr subjektiver Eindruck. Шaпκa ist eine Band, die wohl wie kaum eine andere Geschmackssache bleibt. Eines aber noch, meine Damen: Respekt wie ihr dem zwischenrufenden Vollhonk Paroli geboten habt- Nicely done.

Getränke auffrischen, kurz die Nikotinsucht lindern und dann ab zum Headliner Isolation Berlin und zu fast 90 Minuten Perfektion. Sänger Tobias Bamborschke feuerte ein stimmliches Feuerwerk ab, perfekt unterstützt von den Instrumenten. Die neuen Songs gehen großartig ins Ohr und strotzen nur so vor Abwechslung und sorgen mit Kritik manchmal direkt, manchmal durch die Blume für viel Begeisterung. Mein Highlight „Die Leute“. Auch Klassiker wie „Alles Grau“ oder „Marie“ fehlten nicht und fügten sich sehr stimmig in die vom neuen Album dominierten Setlist ein. Ein alles in Allem ausgezeichneter Gig, der keine Wünsche offen ließ und wohl jeden Besucher zufrieden zurück ließ.

Fotos: Andreas Wörister (Slih’s Photography)

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Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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