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Ahoi! Pop Sommer mit Bilderbuch, Yung Hurn & Lou Asril

Es war ein sommerliches Pop-Vergnügen an der Linzer Donaulände, bei dem auch zwischenzeitliche Regenschauer die Stimmung nicht trüben konnten. Eine bunte Mischung aus zeitgenössischen Acts made in Austria lockte knapp 7500 BesucherInnen an die Donau.

Die vierte Auflage des vom Posthof kuratierten Festivals an der Donaulände tauschte im heurigen Jahr den etwas sperrigen Namen „Ahoi! The Full Hit Of Summer“ gegen „Ahoi! Pop Sommer“, versuchte es statt mit großen, internationalen Namen wie Sigur Rós, Arcade Fire und The National mit einem rein österreichischen Band-Ensemble – aber was für eines!

Den Anfang machte der gerade mal 19-jährige Niederösterreicher Lou Asril mit seiner Band „Spacexpress“. Der junge Mann hat gerade mal zwei Singles veröffentlicht, ist gerade FM4 Soundpark-Act Acts des Monats, hat schon beim Amadeus Award performt und stand am Samstag vor vielen bekannten Gesichtern auf der ganz großen Bühne. Sänger und Band fanden nämlich am Pop-BORG in Linz zueinander und anhand einiger gebastelter Schilder konnte man darauf schließen, dass wohl einige ehemalige MitschülerInnen im Publikum waren. Nun standen sie da, cool und abgebrüht, als ob sie noch nie etwas anderes gemacht hätten und spielten sich routiniert und lässig durch ihr Set. Die Musik von Lou Asril ist zeitlos und zeitgeistig zugleich. Neo-Soul und R’n’B, aber auch moderner Elektropop werden da miteinander verwoben – am eindrucksvollsten bisher in der Debütsingle „Divine Goldmine“, mit der auch das Konzert am Samstag eröffnet wurde. Wir sind uns sicher, dass wir von diesem Künstler noch viel hören werden und sind gespannt auf mehr.

Dann wurde das Gedränge vor der Bühne trotz zwischenzeitlichen Regengusses größer, der Altersdurchschnitt an der Front blieb aber eher unter 20 angesiedelt. Grund: „Süßiboy“ Yung Hurn war am Start. Spätestens seit das Konzert im letzten Herbst vom Posthof ins Brucknerhaus hochverlegt werden musste, weiß wohl auch der Veranstalter endgültig um die Zugkraft, die dieser junge Herr mittlerweile besitzt.  Julian aus 1220 hat bei der Generation Y-Z einen Nerv getroffen und hat die meisten Hypes der Cloud Rap Welle bereits überlebt und übertroffen. Einige unwissende Besuchern werden sich wohl bei der einen oder anderen Textzeile am Bier verschluckt oder ihren Kindern die Ohren zugehalten haben, aber: bist du deppad! Der Mann weiß, wie er sein Publikum heiß macht und lieferte am Ahoi! nach dem Brucknerhaus Gastspiel den nächsten starken Linz-Auftritt ab.

Gibt es aktuell ein noch größeres Aushängeschild für österreichische Popmusik als Bilderbuch? Mit dem (durchaus gewagten) Album-Doppelpack „Mea Culpa“ und „Vernissage My Heart“ und zwei bombastischen Konzerten vor Schloss Schönbrunn als Hakerl auf der to-do-List war das Konzert an der Donaulände nichts Geringeres als die nächste Machtdemonstration der vier Herren aus Kremsmünster. Songs aus der Zeit vor „Plansch“ und „Maschin“ sucht man mittlerweile vergebens, aber das macht auch nichts, wenn es mittlerweile so einen dichten Katalog an großartigen Songs gibt. Angeführt von Maurice Ernst, neuerdings mit Behaarung im Gesicht und Geschlechtsteil auf dem Pullover  zog die Band das Publikum sofort in ihren Bann. Spätestens ab „Softdrink“ waren dann auch die Stimmbänder der knapp 7.500 Menschen auf Betriebstemperatur. Wenn man kurz die weiteren Errungenschaften von Bilderbuch aufzählen möchte: ausufernde Gitarrensoli sind wieder cool, übergroße Wasserhähne, Kühlschränke und Lavalampen ergeben eine geile Bühnendeko und neuerdings sind sie auch „Oberösterreicher des Jahres“ – was soll man zu dieser Band noch schreiben, was noch nicht geschrieben wurde? Es war ein von vorne bis hinten fantastisches Konzert und einen neuen Song namens „Mr Refrigerator“ gab es auch noch zu hören.

Ziehen wir also unseren Hut (oder Regenpocho) vor einer gelungenen 4. Auflage des Ahoi!(…) Festivals an der Donaulände und freuen uns aufs nächste Jahr – wir sind jetzt schon gespannt, welche Acts da wieder hervorgezaubert werden.

Fotos:Christoph Thorwartl

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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