Glück wächst nicht am Wegesrand: BACK TO FELICITY und ihr zweites Album

Glück wächst nicht am Wegesrand: BACK TO FELICITY und ihr zweites Album

Was ist schwieriger? Den Zugang zu dieser Platte zu finden oder die passenden Worte? So oder so: Back To Felicity machen es einem nicht leicht, eine Antwort darauf zu finden. Es fehlt an Durchschlagskraft und Dringlichkeit, um eine berauschende Wirkung auszulösen. Diese „Hitsammlung“ lässt einen unzufrieden zurück und katapultiert einen wieder back to the start.

Es hätte so schön werden können. Ein Album der sympathisch wie talentierten Indie-Rocker aus Oberösterreich für all jene, die vergessen haben, innezuhalten, stehen zu bleiben und einfach mal an den Blumen am Wegesrand zu riechen. Warum auch nicht? Den Moment auskosten. Die Gedanken schweifen lassen. Dabei vermitteln die Pflanzen am Cover, trotz ihrer bunten Ausprägung, eines: Hier sticht nichts raus, hier wächst und gedeiht Gleichförmiges aus dem Boden. Ja, der Titel mutet selbstbewusst an und Melodien gibt es, die gehen auch ins Ohr, aber einen Wiedererkennungswert lassen sie redlich vermissen.

Selbst der sich hübsch und filigran ausbreitende Opener „Robbery“ wirkt nach mehrmaligem Hören zu routiniert und sachgemäß vorgetragen. Mal hört man kalifornische Leichtigkeit („Easy Prey“), britische Versiertheit („Queen And King“) und französische Schöngeistigkeit im Sinne von Air heraus, andernfalls sind es Einflüsse wie Arcade Fire („Roots Of Eden“), Postpunk von Interpol oder die Electro-Dissonanzen von James Blake („The Extra“), die sich ins Gesamtbild einfügen. Prinzipiell keine schlechte Sache. Das Album ist homogen und stimmig von der Songauswahl her, auf Ausreißer hat man wohl im Sinne des Gesamtbildes verzichtet. Auf Elan und Schwung damit leider auch.

© Jasmin Rothberger

Back To Felicity rücken gefühlsmäßig mit jeder neuen Veröffentlichung weiter ins nationale Scheinwerferlicht, doch dieses Material zündet nicht. Die Hits, wenn schon als solche tituliert, müssen zwingender werden. Die grüblerische Seite der Band, die von Fans und Kritikern (auch auf dieser Seite) stets über den grünen Klee gelobt wird, kommt halbherzig zum Vorschein. Melancholie in Reinform ist das hier nicht. Wenn die Zügel mal richtig losgelassen werden wie im episch angehauchten Abschluss „Home“, gewinnen Back To Felicity an Kontur. Sie wissen eigentlich, was zu tun ist, tun sich aber scheinbar schwer. Zweistimmiger Gesang, Rock-Instrumente, dazu Loops und als Zuckerl Violinenarrangements – sieht auf dem Papier vortrefflich aus. Das, was auf „Greatest Hits Vol.2“ stattfindet, schöpft gewiss aus den richtigen Quellen, kann jedoch als Ganzes schwerlich überzeugen und ist zu wenig, um ihrem Ruf als Indie-Nachwuchshoffnung zu festigen. Vielleicht ist aber alles subversiver gemeint, als es am Ende dann klingt?

Tracklist:
01. Robbery
02. The Extra
03. The Heat
04. Easy Prey
05. The Greatest Hit (Interlude)
06. Human
07. Roots Of Eden
08. Wasted Fantasies
09. Oh My Dear!
10. Queen And King
11. Home

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Fotos: Jasmin Rothberger

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