Felix Kramer: Vielleicht is es ja eh er

Einer der Artists hierzulande, der uns im vergangenen Jahr besonders ins Ohr gegangen ist, ist Felix Kramer. Der Wiener Liedermacher war mit dem 2018 erschienenen Album „Wahrnehmungssache“ ganz weit oben in Sachen „Platten, die man gehört haben muss“. Zwei Jahre später ist mit „Alles Gut“ der Nachfolger erschienen, der erstmals in voller Länge am vergangenen Dienstag in den Kammerspielen des Linzer Landestheaters präsentiert wurde. Wenns um „The Next Big Thing“ aus Österreich geht, dann bleibt uns in Anlehnung an einen seiner Texte nur zu sagen: vielleicht is es ja eh er!

Das Ambiente der altehrwürdigen Linzer Kammerspiele ist wie geschaffen für einen Artist, der zurecht als einer der aufstrebenden Künstler des Landes gilt: Felix Kramer. Dementsprechend gut besucht auch der Saal – natürlich unter der Prämisse „Corona“ und „Dienstag“. „Alles Gut“ heißt die neue Platte – was aber mit Sicherheit nicht heißt, dass alles gut ist. Wie schon im Debut „Wahrnehmungssache“ schafft es Kramer wie kein anderer, Emotionen über Erfahrungen, Probleme, Erlebnisse und Verarbeitung gescheiterter Beziehungen herzzerreißende Nummern zu schreiben. Produziert wurde die neue Platte von Hanibal Scheutz (5/8erl in Ehr’n) – Einflüsse hört man. Live mit Band wirkt das Album noch besser, als es das aufgrund der melancholischen, nachdenklichen und dabei stets verletzlich klingenden Lyrics ohnehin tun würde – egal ob im Duo oder mit Full-Band-Besetzung. Ebenso gut: das Album wird komplett gespielt, und das Set mit ein paar Tracks des Vorgängers lediglich aufgepeppt. Es wirkt fast zerbrechlich, wenn Kramer dann zwischendurch auch Songs solo performt, und überraschend wäre es noch weniger, wenn der Großteil der Lieder autobiographische Züge hätte. Besonders herausragend: „Wenn du gehst“ und „Red ma halt einfach was anderes“, wobei sich auf „Alles Gut“ generell wenig Füllmaterial findet. Für ein zweites Album kann man hier nur noch sagen: Chapeau! Und vielleicht ist Felix Kramer ja wirklich das „Next Big Thing“ – zu wünschen wäre es ihm allemal!

Foto: Christoph Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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