Gesundheitsreform 2013 – Befürchtung einer Amerikanisierung?

Gesundheitsreform 2013 – Befürchtung einer Amerikanisierung?

Die für Jänner 2013 geplante Gesundheitsreform durchläuft derzeit immer wieder die verschiedensten Formen der Berichterstattung. Während Printmedien vor allem den wirtschaftlichen Aspekt betonen, erfährt man als LeserIn nur wenig über konkret geplante Maßnahmen.

Worum geht es überhaupt?

Die Reform ist eine Einigung zwischen dem Bund, Ländern und der Sozialversicherung. Diese bekommen einen gemeinsamen virtuellen Finanzierungstopf. Das Ziel für alle Beteiligten soll sein, dass die Ausgaben nicht stärker steigen als das Bruttoinlandsprodukt mit derzeit 3,6 Prozent. Hier wird kritisiert, dass das Gesundheitssystem somit an das wirtschaftliche System gekoppelt werden würde, Stimmen, die von einer Amerikanisierung sprechen, werden laut. Wer das Ziel nicht einhält, muss Strafen zahlen. Ob das sinnvoll ist oder nicht, möchte ich an dieser Stelle dahinstellen. Auf diese Art und Weise sollen bis 2016 jedenfalls 3,4 Milliarden Euro eingespart werden.

Maßnahmen

Änderungen, die die Reform mit sich bringen würden, wären konkret etwa Einsparungen im stationären Bereich (weniger Krankenbetten, Verlagerung von Leistungen nach außen, aber somit längere Öffnungszeiten der ÄrztInnen …), hingegen genauso ein Ausbau der Gesundheitsförderung, eine elektronische Gesundheitsakte, die 2013 oder 2014 kommen soll oder strukturelle Veränderungen wie die Erweiterung des GESPAG- Vorstandes von 2 auf 3 Mitglieder.

Die Ärztekammer merkt hierzu an, dass eine Gesundheitsförderung auf einzelne Gruppen angepasst werden müsse. Außerdem sei es ein Problem, dass derzeit viele Leistungen nur im Krankenhaus und noch nicht im niedergelassenen Bereich angeboten werden würden.

Initiativen dagegen

Die Ärztekammer hat eine Kampagne mit dem Slogan „Mein Arzt ist weg“ gestartet. Am 21. November wurde seitens der Ärzte und Ärztinnen in Wien protestiert.

Es soll auch möglich sein, gegen ELGA zu unterschreiben, was aber nur eine Ausblendung, keine Löschung der Daten, bedeuten würde.

Kritische Anmerkungen

Prinzipiell kann ich der Gesundheitsreform durchaus auch ein paar positive Aspekte abgewinnen. Das System kann so wie es bisher ist in der Zukunft, speziell aus Kostengründen, kaum weiterbestehen. Studien zeigen, dass Österreich europaweit im Spitzenfeld der Ausgaben für den Gesundheitsbereich liegt und eine sehr hohe Anzahl an Krankenbetten verhältnismäßig zu den EinwohnerInnen aufweist. Kleine Operationen könnten bei ausreichender Ausstattung durchaus häufiger außerhalb von Krankenhäusern durchgeführt werden, PatientInnen könnten sich zu Hause auf Eingriffe vorbereiten und dort wieder erholen. Ein Beispiel, um mich nicht falsch zu verstehen: Ich hatte vor 2 Jahren selbst eine Operation am Augenlid und hätte zur Beobachtung im Krankenhaus  bleiben sollen. Nach einer Stunde ließ man mich schließlich nach meiner Unterschrift auf Eigenverantwortung wieder gehen. Ich habe zwar dann den ganzen Tag zu Hause geschlafen, aber im Krankenhaus wäre das wohl kaum anders gewesen. Ich hatte auch Medikamente mitbekommen und am nächsten Tag gleich wieder eine Kontrolluntersuchung. Im Fall einer Verschlechterung kann das Krankenhaus ja erneut aufgesucht werden.

Des Weiteren sehe ich die Gesundheitsförderung als sinnvolle Investition an und meine, dass bisherige Aktionen wie „Gesunde Gemeinde“ ein guter Schritt in diese Richtung sind. Gesundheitsförderung ließe sich noch mehr in den Alltag einbauen: in der Ausbildung, im Beruf darauf aufmerksam machen, etc. Es gibt Staaten  in Asien, in denen man als Gesunde(r) zum Arzt geht und sich je nach Lebensstil beraten lässt, wie Krankheiten am besten vermieden werden können.

Probleme sehe ich speziell im Bereich der elektronischen Gesundheitsakte oder dass man auf Aspekte, die immer stärker im Kommen sind, kaum eingeht. Ich meine hier beispielsweise die Selbstmedikation (Eigenbehandlung mit Arzneimitteln), die sich in anderen Staaten bereits mehr etabliert hat und die wohl auch in die Ausbildung der ApothekerInnen usw. einfließen müsste oder dass bei der Behandlung mehr Rücksicht auf die Lebensumstände von den zu Behandelnden genommen werden sollte.

Ich würde mir wünschen, dass zu dieser Thematik neben JuristInnen (Bereich Gesundheitsakte) auch GesundheitswissenschaftlerInnen wie GesundheitssoziologInnen, GesundheitspsychologInnen… Stellung beziehen und Studien vorgelegt werden über die tatsächliche Effektivität und Effizienz der geplanten Maßnahmen. Die Gebietskrankenkasse hat zu anderen Bereichen schließlich auch bereits Untersuchungen von GesundheitssoziologInnen durchführen lassen.

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Katharina ist Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen (z.B. frauenpolitischen) und kulturellen (z.B. Film, Theater, Literatur) Themen. Zum Ausgleich schreibt sie in ihrer Freizeit gerne literarische Texte: https://wortfetzereien.wordpress.com/

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