Everlast: An Acoustic Evening

Während es in Kopenhagen am Samstagabend um die Wurst (ja, der Wortwitz ist schon langweilig!) ging, beehrte ein Veteran der 1990er Jahre den Linzer Posthof. Erik Schrody – besser bekannt als Everlast – performte seine Klassiker in akustischer Version. Um die Wurst ging es zwar nicht – man hatte aber auch schon schlechtere Konzerte gesehen.

Dass der Abend zu etwas Besonderem wurde, bewies an diesen Abend jedoch nicht der Mainact Everlast, sondern der Supportact. Worth hieß der. Der junge Mann stammt aus Portland/Oregon und befindet sich gerade auf Europatour. Und wieder mal ist es unverständlich, warum der junge Mann nicht größere Hallen alleine füllt. Da sitzt jeder Ton, da ist Emotion dahinter, da wird die Zugabe dann auch wirklich unplugged gespielt. Und da wird ein Ray Charles-Song gecovert, dass die Zuhörer Gänsehaut bekommen. Der wohl stimmlich beste Singer/Songwriter, dem ich in den letzten zwei Jahren lauschen durfte – und das waren einige. Große Weiterempfehlung. Wer Ed Sheeran zu schnulzig findet und wem Philipp Poisel auf die Nerven geht, der sollte sich an Worth versuchen. Den wird man garantiert nie nervig finden.

Danach folgte ein Hauch von Nostalgie. Erik Schrody, bewaffnet mit einer Flasche Jameson auf der Bühne – wovon zwischen jedem Song auch kräftig genippt wurde – lud zu einem Ausflug in die 1990er ein. Noch vor dem ersten Takt rief der erste Fan nach „Jump Around“, dem House-of-Pain-all-time-wonder. Quittierte Everlast anfangs das noch mit einem pointierten „Go for it!“, wurden die Zwischenbemerkungen mit der Zeit immer weniger. Ob das am Publikum lag oder am Jameson – man weiß es nicht. Ob dem tosenden Applaus nach jeder Nummer und dem dankbaren Lauschen der Zuhörer kann man sich ersteres nicht vorstellen. Fans kamen nämlich durchaus auf ihre Kosten. Akustisches Können hatte Worth zuvor jedoch mehr zu bieten.

Foto: Christoph Thorwartl

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.