Poesie & Gitarrenwände: Listener in der Stadtwerkstatt

Das Projekt Listener hat sich in den letzten eineinhalb Jahrzehnten von der One-Man-Show des Poeten Dan Smith zur voll ausgestatteten Rockband entwickelt. Am Dienstag war das Vierergespann aus Arkansas zum ersten mal seit 2014 wieder in Linz, um ihr neues Album „Being Empty : Being Filled“ vorzustellen. Mit im Gepäck hatten sie den erstaunlichen Solokünstler Levi The Poet.

Den Anfang machte der Poetry Slammer Levi The Poet aus Albuquerque, New Mexico. Der 28-jährige, gläubige Christ erlangte vor ein Paar Jahren größere Aufmerksamkeit durch seine Youtube Clips zu den Slams „Memories“, „Kaleidoscope“ und „Pretty In Pornography“. Seither hat er in Eigenregie mittlerweile 4 Alben aufgenommen. Das aktuellste davon namens „Cataracts“ erschien diesen Februar. Levis Performance hat etwas theatralisches, fast zeremonielles. Sein predigender Sprechgesang wird hinterlegt mit elektronischen Beats zu immer wieder anschwellenden Gitarren- und Streichersounds. Das kann man entweder als dick aufgetragen oder aber auch als verdammt gut und emotional vorgetragen empfinden. Sofern man allgemein empfänglich für Poetry Slams mit musikalischer Untermalung ist. Per Beamer lässt er Visuals auf die Leinwand und das noch weiß abgehängte Equipment der Band projizieren. Ein nicht unwesentlicher Bestandteil seiner Show – farbenprächtig und perfekt getimed. Der am nachhaltigsten in Erinnerung bleibende Moment der Show war aber mit Sicherheit das abschließende und ohne Musik auskommende „Keep Forgiving“. Eine Darbietung von der man auch als Religionsskeptiker einiges mitnehmen konnte.

Listener, die Band um Poet Dan Smith, macht ganz schön eigenartige Musik. „Talk Music“ sagen sie dazu. Gemeint ist damit eine Mischung Post-Rock und Spoken Word Performance. Aus dem anfänglichen Soloprojekt wurde ein Duo, wurde ein Trio, wurde ein Quartett. 2 Gitarren, Bass und Schlagzeug – eine waschechte Rockband also. Wenig verwunderlich nimmt man Listener anno 2018 besonders auf der neuen Platte „Being Empty : Being Filled“ erstmals auch so war. Als Band und nicht als Dan Smith plus Hintergrundmusik. Das ist einerseits begrüßenswert, da die Musik eine großartige Schnittmenge aus Post-Rock, Post-Punk und Americana ist. Jedoch wird dadurch dem lyrischen Aspekt von Listener nicht mehr ganz so viel Raum zur Entfaltung gelassen wie noch zur Zeit von „Wooden Heart“ oder „Train Song“. Einen berühren und umhauen können Listener aber auf beide Arten. In der Stadtwerkstatt begeisterten sie mit einer ausgewogenen Mischung aus Alt und Neu. Von den epischen Gitarrenwänden von „There’s Money In The Walls“ bis zum lieblichen „Falling In Love With Glaciers“ als Zugabe mit großem Trompeten-Showdown war alles dabei was dabei sein musste. Bleibt noch zu sagen: Hey Listener! Bitte lasst uns nicht wieder 4 Jahre bis zum nächsten Wiedersehen warten!

Fotos: Christoph Thorwartl

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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