Flowers In Concrete: Hardcore der gesetzten Sorte

Dass die KAPU in coronagerechtem Rahmen wieder veranstaltet, dürften Einige ja bereits mitbekommen waren. Dass man Hardcore-Punk auch im Sitzen und mit Abstand veranstalten kann, hätten wir ehrlicherweise bis zum vergangenen Freitagabend nicht gedacht. Dass das dennoch geht, bewiesen mit Flowers In Concrete Veteranen, die aus dem musikalischen Abyss wieder aufgetaucht sind. 

Wir kennen das ja schon zur Genüge: Mund-Nasenschutz, Babyelefant, nur Sitzplatz und dergleichen. Ja, es hat sich eh noch nichts an den Coronaauflagen geändert. Was das für Indoor-Konzerte heißt? Nunja, in der KAPU heißt das: Maske auf, Arsch auf den zugegebenen gemütlichen Sessel, noch ein Gezapftes von der Bar, rein in den Konzertsaal und gemeinsam mit höchstens 34 Gleichgesinnten einem Konzert lauschen. In einer Zeit, wo Konzertgehen an sich ja fast schon subversiv scheint, hat sich die KAPU mehr denn je auf ihre Wurzeln besonnen und eine Band eingeladen, die zum ersten Mal in dieser Location gespielt hat, als der Schreiber dieser Zeilen gerade mal in die Volksschule ging und mit dem Erlernen einer halbwegs lesbaren Schrift kämpfte.

Flowers In Concrete aus dem steirischen Weiz waren damals sowas wie lokale Szenegrößen, oder flosekelhaft gesagt „weltbekannt im österreichischen und sonstigen Underground“, bis Anfang der 2000er dann Schluss war. Betonung auf „war“, denn nach gut 15 Jahren Pause sind sie aktuell mit einer Split-LP mit den Dim Prospects (auf dem, wie wir finden, sehr empfehlenswerten Label Noise Appeal) wieder aktiv. Tour dazu gefällig? Natürlich. Die führte sie auch in die KAPU, wo am vergangenen Freitag vor allem langjährige Weggefährten zu Gast waren, die die „Sehnsucht“ nach Flowers In Concrete stillten. Stilistisch ist man sich natürlich treu geblieben – im politischen Stil des 90er-Hardcores hat das Trio auch zwei Jahrzehnte später noch immer seine musikalische Heimat gefunden. Eine Stunde lang funktioniert sogar das Abstandhalten, Sitzenbleiben und die Disziplin mehr als gut – was man, ehrlich gesagt, gerade in dem Genre sowas von nicht erwarten konnte. Für alle 90er-Punkfans sind Flowers In Concrete sowieso ein Muss, aber auch jüngere Underground-Semester dürfen hier bedenkenlos reinhören!

Fotos: Christoph Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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