Naked Cameo: Willkommen in der Indie-Sauna!

Eines von Österreichs Indie-Aushängeschildern gab sich am vergangenen Posthof ein Stelldichein: Naked Cameo. Ein Abend, den man in drei Kategorien unterteilen konnte: Sauna, grandioses Indie-Konzert und der ultimative Test für die 3G-Regel. 

Donnerstagabend, laue Temperaturen, zwei Bands, auf die wir uns in der Redaktion schon öfters gefreut haben: Naked Cameo und den Local Support, Color The Night. Nachdem die Protagonisten des Abends sehr eng mit Linz und Oberösterreich verbunden sind, war der Andrang dann auch entsprechend groß im Linzer Posthof. Erstaunlich, dass das Konzert dennoch im kleinen Saal, der dann auch dementsprechend gut gefüllt war, stattfand. 3G-Check am Eingang? Ja, wurde natürlich durchgeführt – auch bitter nötig, denn der Saal verwandelte sich in den kommenden zwei Stunden in eine Indie-Sauna.

Dafür verantwortlich? Natürlich die Bands. Color The Night aus Oberösterreich haben wir auch im Röda in Steyr im Rahmen des Grünlandfests bewundern dürfen und schon damals als sehr gut befunden. Die Debutplatte „Road“ habe ich in der Review als „irgendwo in den 80ern gestartet und in den 2020ern gelandet“ bezeichnet. Warum ich das tat, wurde auch im Linzer Posthof deutlich: tanzbar, Tracks wie „Take Me Home Boy“, „Be My Girl“ und „Road“ gehen sofort ins Ohr und sind auch 2021 noch Indie-Spotify-Bestlistentauglich. Bitte gerne mehr davon – das Publikum dürfte das genauso gesehen haben.

Naked Cameo sind hingegen schon sowas wie „alte Bekannte“, wenn es um empfehlenswerten heimischen Indie geht. Auch wenn Anfängerfehler passieren – Stichwort Batteriecheck vor der Show – liefert das live als Quartett auftretende Enesemble eine exterm sympathische Show ab, wo man anmerkte, dass sich auch die Band wieder „zu Hause“ fühlte. Nach dem 2018er-Album „Of Two Minds“ samt dem Überhit „Luddite“ ist 2020 mit „Insomnia“ die neue EP erschienen, die auch andere musikalische Facetten der Band beleuchtet. Neues Material? Gabs auch zu hören! Stagedives? Zwei Stück, bittesehr! Ekstase im Publikum? Großteils ja – man merkte auch dem Publikum den Entzug von Live-Musik deutlich an. Dementsprechend schnell vergingen auch die 60 Minuten Setzeit in einer Indie-Sauna, die wir so seit 2019 nicht mehr erlebt haben. Wenn jetzt da auch kein Corona-Fall mehr auftritt, darf man getrost sagen: bitte häufiger sowas!

Fotos: Christoph Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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