Wenn man noch nie auf einem Festival war, hat man in Österreich ja mehrere Möglichkeiten: die großen Standardfestivals wie das Frequency oder das Novarock, kleine, aber feine Minifestivals wie das Lake on Fire oder – als Wiener – „Festivals“ vor der eigenen Haustür wie das Rock in Vienna oder das Donauinselfest. Wenn einem aber beinahe alle Metalheads aus dem Bekanntenkreis von diesem komischen „Metaldays“ im fernen Slowenien vorschwärmen, entscheidet man sich halt für eine Festivalentjungferung im Ausland, die auch gleich mal sieben Tage dauern wird.

Und so war es am 22. Juli endlich so weit: Das Metaldays 2017 stand vor der Tür. Die Hinfahrt von Wien gelingt dabei am besten über die Strecke Wien–Kärnten und im Anschluss über das italienische Tarvisio und kleine „Schleichwege“ über den Predil-Pass, der Italien mit Slowenien verbindet. Auf unserer Reise verlief beinahe alles reibungslos, bis auf den besagten Bergpass, der von Metalheads, Reisebussen, wahnsinnigen Radfahrern und noch mehr Metalheads nur so wimmelte.

Am Predil-Pass kann man schon mal den Touristen raushängen lassen.

Bei der Ankunft am Festivalgelände gab es dann aber doch ein paar Unklarheiten bezüglich der Parktickets – muss man die Parkgebühr zahlen, wenn man ein Gruppencamp reserviert hat? Laut Infostand nicht, laut Parkplatzwächter schon und so pendelten wir eben zwischen Infostand und Parkplatz hin und her, bis endlich alles passte. Auch unsere Pressebänder bekamen wir nicht schon am Ankunftstag, da der VIP- und Pressestand erst ab Sonntag geöffnet war. In der Zwischenzeit bekamen wir hübsche Gäste-Armbändchen, die wir ab dem nächsten Tag gegen unsere richtigen Bänder eintauschen konnten. Besonders unerfreulich waren die Zusatzkosten für die verfrühte „Early Arrival“-Ankunft, aber was tut man nicht alles für eine ganze Woche erholsamen Metalurlaub? Es dauerte dann doch eine Weile, bis wir endlich das Auto abstellen und unsere Sachen ins Camp „Dead Rick Tales“ bringen konnten, welches durch zwei große Türme nicht zu übersehen war.

Unser Camp! Man gönnt sich ja sonst nix. © Nora Buchebner

New Forces vs. Storm Forces. Endstand 0:1 © Matthias Braunsteiner

Das Urlaubsfeeling stellte sich nach dem Zeltaufbau dann aber doch sehr schnell ein und so konnten wir unseren ersten Abend mit dem wohlverdienten Bier und guter Unterhaltung beginnen. Die Sonne glühte die ganze Woche über fast durchgehend, so heiß wie es sich Sommerfans nur wünschen können. Das was allerdings am Sonntag kam, war dann doch eher mein Geschmack: Ein Unwetter, wie ich es selbst noch nie davor in einem Zelt erlebt hatte. Die New Forces Bühne, hatte es stärker erwischt als gedacht und auch das Zelt neben unserem hatte einiges vom Sturm abbekommen.

Und so begann die offizielle Metaldays-Woche…

Die Hitze im Zelt am nächsten Morgen trieb uns schon sehr früh zum Frühstück und anschließend in den Pressebereich. Abkühlung brachte uns die ganze Woche über die wunderschöne Soča, die mir so einiges an Wartezeit bei den Duschen erspart hat – echtes Festivalfeeling eben. Kulinarisch wären wir ohne den Hofer direkt beim Festivaleingang allesamt verhungert, das wissen wir. Aber einmal pro Tag durfte natürlich auch etwas Warmes nicht fehlen: Im „Slovenian Village“ getauften Essensviertel traf das „Veni Veggie Vici“ genau meinen Geschmack und auch an den anderen Ständen war der Andrang groß.

Burger in allen Varianten! Vegan, Doppeldeckerfleisch-Cheeseburger oder mit Pulled Pork. Hier wird jeder glücklich.

Und wie jedes Jahr präsentierte sich auch das Programm am Strand wieder von seiner besten Seite: Einen perfekten Tag ließ man am besten mit einem „XXL June Bug“-Cocktail und einem Spiel Riesenjenga an der Tolminka ausklingen. Schade fand ich die Tatsache, dass der groß angekündigte Bondage-Workshop an keinem der geplanten Tage zeitlich nachvollziehbar stattgefunden hat. Oder haben wir da etwas übersehen?

Nervenkitzel pur beim Riesenjenga

Das erste Konzert auf der Liste am Montag waren Dool auf der mittleren Bühne. Die niederländische Band um Sängerin Ryanne van Dorst legten sich gewaltig ins Zeug und man merkt wie viel Leidenschaft hinter den Songs der Band steckt. Nach zwei Liedern wurden jedoch die Regentropfen langsam wieder stärker. Bei „Oweynagat“ gab die Sängerin mit ihrer kraftvollen Stimme nochmal richtig Gas und sie donnerten mit dem Gewitter um die Wette, bis es wirklich nicht mehr ging und das Konzert durch den Beinaheweltuntergang abgebrochen werden musste.

Dool vor dem Weltuntergang.

Später bei Marilyn Manson sah das Ganze zum Glück wieder anders aus. Als großer Bewunderer seiner Texte und seines Könnens war es nicht das erste seiner Konzerte, das ich miterlebt habe. Und so überraschte es mich leider auch nicht, ihn abermals in einer schlechten Verfassung zu sehen. Ob er es einfach satt hat oder es ihn psychisch zerrüttet, kann man nur erahnen. Die Fragen was ihn noch dazu treibt, weiterhin auf der Bühne zu stehen und was die Gründe für seinen immer stärker sichtbaren Abstieg sind, liegen mir schon lange im Magen und auch im Herzen. Besonders weil Herr Manson ein unmotiviertes Standardprogramm mit wenig Interaktion ablieferte und eine halbe Stunde vor dem geplanten Ende mittels Mic-Drop bereits wieder verschwand. Wenigstens gab es dazu diesmal einen sternenklaren Nachthimmel.

Unmotiviert und ohne Leidenschaft: Marilyn Manson. Schade…

Ebenfalls anwesend waren die polnischen Black Metal-Chorknaben Batushka, an deren schwarzer Messe ich nach ihrem Auftritt beim Vienna Metal Meeting nur zu gerne wieder einmal teilgenommen hätte. Den Duft von Weihrauch und die klerikalen Gesänge konnte ich aber leider nur im Vorbeigehen genießen, da noch so viel zu tun und zu sehen war.

Den Dienstag verbrachten wir hauptsächlich in der eiskalten Soča oder bei den verschiedenen Merchständen, die von Bootleg-Patches über Bootleg-LPs bis hin zu Nerd-Zeugs so ziemlich alles im Angebot hatten, was man sich wünschen konnte.

Bootleg-Patches überall! Aber hübsch…

Am Mittwoch stand zuerst Gutalax aus Tschechien auf dem Programm. So viele meiner Freunde schwärmten schon lange von dieser Band und nun durfte ich sie auch einmal live erleben. Ein sympatischeres Goregrind-Chaos kann man sich schwer vorstellen. Spaß ohne Ende mit tonnenweise Klopapier, Aufblaspuppen und Schwimmreifen – sowohl bei der Band, als auch im Publikum!

Gutalax bedeutet eins: Megaparty ohne Rücksicht auf Verluste.

Der Headliner des Mittwochabends auf der mittleren Bühne waren Grave Digger. Für mich war das die erste Grave Digger-Erfahrung und ich wurde auf keinen Fall enttäuscht. Die Urgesteine des deutschen Heavy- und Power/Folk Metals sind ein gutes Beispiel dafür, dass man Elan und Belastbarkeit nicht mit dem fortgeschrittenen Alter einbüßen muss.

Grave Digger: Schwermetall das noch lange nicht zum Alteisen zählt!

Und auch auf der Mainstage ging es im Anschluss mit Doro richtig zur Sache. Als weibliches Äquivalent zu Grave Digger zeigte Doro Pesch eins: Wenn schon Power, dann auch richtig! Die Queen of Metal gab Alles und die Menge war begeistert. Und damit ihr bei der nächsten Runde von „unnützem Wissen“ wieder gewinnt: Doro ist Vegetarierin und trägt allen Metalklischees zum Trotz nur Kunstleder auf der Bühne.

Ebenfalls frisch wie vor 30 Jahren: die Doro Pesch!

Das Highlight des Donnerstags waren die schwedischen Blues-/Hard Rocker von Blues Pills. Ihr Gig machte richtig viel Spaß und die Energie, die man bei diesem Auftritt erleben und spüren konnte, ließ einen auch Stunden danach nicht los.

Am Freitag, dem letzten Metaldays-Tag gaben besonders die tschechischen Goregrind-Kasperl Spasm Vollgas. Und der Ekelfaktor war dabei garantiert: mit Penismaske und dem berüchtigten Borat-Mankini heizte Sänger Radim seinen Fans richtig ein. Den Leuten gefällt‘s und den Scooter-Evergreen „Maria (I Like It Loud)“ kann man auch locker auf Metalheads loslassen – vor allem nicht bei der selbstgewählten Genrebezeichnung „DRUM´N´BASS GIGOLO GORE GRIND“.

Widerlich und wunderbar: Spasm.

Auf der Hauptbühne sorgten danach Pain mit ihrem Mix aus Progressive und Industrial Metal für eine gute Stimmung: Ich freute mich besonders darüber, diese großartige Band auch mal live erleben zu dürfen. Immerhin ist Sänger Peter Tägtgren auch Teil des Nebenprojekts von Rammstein-Sänger Till Lindemann, welches ich schon seit den Anfängen begeistert mitverfolge. Mit Pain legte er einen tollen Auftritt hin und überzeugte mit seiner fantastischen Stimme!

Peter Tägtgren von Pain. Der Mann kann nichts falsch machen.

Zu guter Letzt zeigten die deutschen Metalcore-Ikonen Heaven Shall Burn wie man‘s richtig macht. Konfetti, Pyroshow und schweißtreibende Bühnenakrobatik, untermalt von neuen Hits und alten Klassikern. Und auch wenn man nicht direkt vor der Bühne stand, ging einem die Musik durch Mark und Bein. Erschöpft und glücklich ließen wir so den letzten Abend ausklingen.

Bei so einer Pyro muss der Himmel brennen. Heaven Shall Burn!

Am Samstag, nach sieben Tagen Metalwahnsinn und kurz vor der Heimreise ließen wir es uns nicht nehmen, noch „auf einen Sprung“ zur alten Festungsruine zu wandern, die sich auf einem Berg über Tolmin erhebt. Aus dem „Sprung“ wurde dann doch eine längere Kletterpartie, als die 20 Minuten, die wir anfangs geschätzt hatten. Der Ausblick hatte sich dann aber alle Male gelohnt: ganz Tolmin lag vor uns und die Soča glitzerte friedlich in der Vormittagssonne.

Von ganz weit weg sieht das Metaldays richtig friedlich aus.

Auf der Fahrt zurück in unser geliebtes Wien machten wir noch zwei kurze Stops in Kärnten – das kann man sich ja mal gönnen, wenn man schon in der Nähe ist. Und nach fast 12 Stunden Reise war das einzige woran wir dann noch denken konnten unser Bett mit der wunderbar festen, nicht aufpumpbaren Matratze in vier festen und hitzeabhaltenden Wänden.

Trotzdem hat das Metaldays mich für sich gewonnen und ich freue mich riesig auf die nächste Ausgabe!

Fotos: © Markus Wetzlmayr

Kommentare

Kommentare werden geladen...