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„Es ist schön, dass es mich gibt“: Faber im Posthof

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer drenzt am schönsten dreckige Texte in diesem Land? Ganz klar, hier holt sich den ersten Platz wohl der Schweizer Faber, der mit seiner Band am Donnerstag den Posthof zum Glühen bringt. Texte, die so rau sind, dass man das Gefühl hat ein versoffener Tankstellenabstürtzer leistet gerade eine Paradebeispiel zur Metoo-Debatte, werden mit Klängen, die an einen Junggesellenabschied einer polnischen Polkatruppe erinnern, gemischt und treffen trotzdem geradewegs den Zahn der Zeit. Der Wuschelkopf und seine grandiose Band schaffen es mit viel Augenzwinkern und Spaß an dem was sie machen, mit dieser Mischung, die wenn man die Jungs sieht mehr als unauthentisch wirken sollte, trotzdem die Stimmung im Posthof zum Explodieren zu bringen.

Steiner & Madlaina nennt sich die Supportband, die sich Faber mit auf Tour genommen hat. Klingt auch wieder wie zwei festere Herren, sind aber zwei zarte Mädchen, die dann aber eine Stimmgewalt aufbringen, die besagte Typen an die Wand schleudern würde. Zu viert sind sie insgesamt, wobei die Damen klar das musikalische Zentrum bilden und beide sowohl mit Einzelperformences als auch im Duett überzeugen. Anfangs noch englischsprachig versuchen sie das „fire in my head“ zu starten, wechseln dann aber auch zur deutschen Sprache, die ihnen auch weitaus besser steht. Auch wenn die Züricher Mädls keinen Vorbandcharakter mehr haben, sind die Linzer gewohnt schüchtern und erst bei den letzten Liedern spielt sich ein Schunkeln in den Reihen ein.

Nach einer längeren Pause werden nun endlich die Spiegel vorm Goldvorhang enthüllt und die Bühne gehört den Herren, auf die wir alle warten. Zuerst auch tatsächlich allerdings alleine. Akustikgitarre und schummriges Licht, dass an ein Mondscheinkonzert erinnert. Doch diese Idylle wird bald durch die eintrudelnde Band „zerstört“ oder besser gesagt, wird so der Abend erst richtig eröffnet. Denn auch wenn natürlich Fabers Whiskystimme das Zentrum bildet, ist die Band hier mindestens die halbe Miete. Allen voran „DJ Real Madrid“, wie ihn Faber nennt, oder eben der Mann der Gott am Schlagzeug UND an der Posaune gleichzeitig ist. Denn als die Band loslegt ist es auch vorbei mit schmachtenden Blicken, denn die Füße brennen und der Posthof tanzt.
„Doch es könnte schöner sein“ schreit der Publikumschor, wobei eine Steigerung der vorhanden Ekstase schwer möglich erscheint.

Doch es kehrt wieder Ruhe in den Saal ein. Eine Hommage an dem Valentinstag wird eröffnet. „Man kann doch nicht gegen Liebe sein“ . Doch wie am Vortag in Innsbruck ist auch Linz mehr in Feierlaune als im Liebesgedöse und als dann endlich „Wem du’s heute kannst besorgen“ kommt muss die Meute erst einmal  wieder aufwachen. Die Augen werden auf jeden Fall spätestens dann ganz groß, als italienische Zeilen zu einem knisterndem Liebesspiel zwischen Faber und dem Bassisten (der auch am besten schmusen kann) führen und dieses letztendlich sogar im Hemdverlust endet. Ein Blick durch Publikum zeigt, dass nicht nur in der Nacht „alle Katzen geil werden“. Mit den Worten „alles Gute“ will uns Faber nun eigentlich entlassen, aber ich denke auch ohne dem minutenlangen Zugabengeschrei, hätte die Band noch nicht genug gehabt.
Interessant auch: Nun entscheidet das Publikum, wie es weitergeht. Faber nimmt die Publikumswünsche einem nach den andren auf. Als plötzlich „Umbrella“ gerufen wird, lässt er sich auch diesen Leckerbissen nicht nehmen. In der Menge macht er den Beatboxer „Andi“ ausfindig und liefert meine bis dato Lieblingsrihannavorstellung. Dann folgt noch die Hymne der „Schweizer dekadenten Jugend“ und alle fragen sich wohl nur noch, welche Nutte nicht von Faber träumen kann. Beendet wird der Abend mit Tausendfrankenlang, wo wir nun wohl endgültig dem legendären Ebenseeauftritt das Wasser reichen. Auch in Linz surfen die Leute über die Menschenmengen, es gibt nicht nur einen Moshpid und kein Bein steht mehr still.

„Es ist so schön, dass es mich gibt“. Oh ja Faber, dem stimmen wir alle zu.

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