TTR Allstars: Goodbye, Huckey!

Das Konzert am Samstag der TTR Allstars im Linzer Posthof wurde ganz dem kürzlich verstorbenen Texta-Gründungsmitlglied Huckey gewidmet. Die tiefsitzende Trauer der Tonträger Records-Mitglieder war spürbar, aber neben den äußerst traurigen Momenten gab es auch wunderschöne nostalgische Augenblicke im Posthof Linz. Machs gut, lieber Huckey!

Leider ist es mir nicht möglich, über Samstag eine objektive Berichterstattung zu verfassen. Seit Dienstag, dem 1.Mai, ist die Musik- und Kulturszene in Linz in tiefer Trauer. Ein guter Freund, Musiker, Kulturschaffender, Texter, Künstler und Revolutionär ist nach langer Krankheit von uns gegangen. Huckey alias Harald Renner war auch für uns als subtext.at sehr prägend. Seit unsere Geburtsstunde begleitet uns die Musik von Texta und den anderen TTR-Allstars. Manche in der Redaktion würden sogar sagen: ohne Huckey und ähnliche Pioniere würde uns es nicht geben.

Es wurde überlegt ob das Konzert am Samstag überhaupt stattfinden soll, aber die TTR-Allstars haben sich entschieden, ein Konzert FÜR, ZU EHREN und MIT Huckey zu gestalten. So war der Abend am Samstag eine emotionale Achterbahn. Zwischen der Freude, Songs aus der eigenen Jugend wieder live zu hören, mit denen man groß geworden ist, und der tiefsitzden Trauer der Musiker und des Publikums.

Abwechselnd gaben die TTR Allstars in verschiedene Kombinationen ihre Hits der letzten Jahrzehnte zum Besten. Begonnen von Liedern von der aktuellen neuen Platte bis hin zu Songs von den einzelnen Bandprojekten war alles vertreten. Neben dem musikalischen Rückblick sorgen die Jungs auch für einen vielfältigen Rückblick, was die Merch-Shirts betrifft.

Den Beginn machten Andi und Alex mit „Big L“, einer Hommage an die schöne Stahlstadt. Weiter ging es mit dem Projekt von Flip und Average – „Tuesday Classics“. Hinterland, Kayo und Da Staumtisch schlossen nahtlos an den Klassiker an. Wie gewohnt bei so einem Arrangement, waren auch am Samstag viele Features vorhanden – da rappte Nora von den MTS eine Nummer mit Kayo, oder Def Ill unterstützte Texta.

Besonders emotional wurde es, als Average zum zweiten Mal die Bühne betrat und eine weitere Rede über Huckey hielt. In ihn hatte er ein einzigartiges Vorbild gefunden. Schon 2009 arbeitete er gemeinsam mit Huckey und Flip an Projekten wie „Oben“. Natürlich waren aber auch eigene neuere Werke dabei, wie „Jetzt mal unter uns“ oder „Ca va, Ca va“.

Bis zum Schluss musste man sich gedulden, um die Songs von Texta zu hören. Hier wurden immer wieder  Raps von Huckey eingespielt – schloss man die Augen, hatte man für einen kurzen Moment das Gefühl, dass er immer noch vorne an der Bühnenkante für Stimmung sorgte. Öffnete man sie wieder, schoßen einem die Tränen ins Gesicht, denn vorne an der Kante herrschte große Leere zwischen den Monitoren. Mit Laima, Flip und Dj Dan alleine auf der Bühne wirkte es irgendwie falsch – Huckey konnte auch nicht von Def Ill oder Average ersetzt werden.

„De Wöd is a dorf“ war einer der letzten Texte, die Huckey fertig schrieb und auch noch aufnahm. Fast am Ende des Konzertes wurde auch dieses Lied noch performt.

Als Zugabe kamen alle Musiker*innen noch mal auf die Bühne, alle eingekleidet mit einem roten Shirt mit einem Bild von Huckey. Selbst die Leute von „Brotlose Kunst“ rappten zu Ehren von Huckey noch einen Song. Keinen Rückhalt der Tränen gab es bei der vorbereiteten Präsentation über das Leben von Huckey, was am Ende vom Konzert wie ein Abspann eines Filmes das emotionalste Konzert in meinem Leben abschloss.

Als 16 Jähriges, musikalisch verwirrtes Mädchen habe ich damals in der Band Texta so etwas wie einen musikalischen Anker gesehen. Noch am Montag haben wir in einer größeren Runde darüber gesprochen, wie sehr uns die Band damals imponierte und wie schön es ist,die Vorbilder wie Huckey jetzt bei jeder Party in Linz anzutreffen. Ich bin mit den Texten von Texta aufgewachsen, ich kann mich noch sehr gut an mein erstes Texta Konzert 2008 am damaligen INORR erinnern, gemeinsam mit Attwenger. Oder als später in jeder WG die Sweet 16-Pickerl pickten – es gab kaum ein WC, wo diese nicht zu finden waren. In den Mittagspausen in der Schule lief bei uns statt den Ö3 Charts die Songs von Textas „Paroli“ – und alle rappten textsicher mit. Wenn ich zurückdenke, weiß ich noch sehr genau,wie  groß meine Freude damals war, als ich über Umwegen zu den noch nicht veröffentlichten Files der Platte „Grotesk“ kam. Die Platte wurde damals in meinem alten Clio rauf und runter gehört. Ich weiß nicht mehr, bei wie vielen Konzerten ich von den Jungs war, oder wie viele Kilometer ich dabei zurück legte – aber eines weiß ich: es hat sich immer gelohnt.

Leider habe ich Huckey nie wirklich persönlich kennen gelernt. Doch hat mich die Meldung über seinen Tod sehr betrübt. Meine Gedanken sind somit bei denen, die ihn als Freund oder Familienmitglied nennen konnten. In den Worten von Fiva: Huckey die Stadt gehört für immer dir!

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