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Nils Frahm: Zwischen Flügel und Synthesizer

Nils Frahm, Schwergewicht der Neo Klassik Szene war am 28. April zu Gast im Posthof. Kaum jemand schafft es klassische Elemente so gekonnt mit einer elektronischen Komponente zu versehen wie der Berliner Komponist. Linz war der Erste von drei Tourstops in Österreich. Zu präsentieren gab es sein neuestes Werk „All Melody“.

Was genau ist eigentlich Neo Klassik? Klassische Musik wird als Grundlage genommen und mit verschiedenen anderen Elementen versehen – Jazz, Pop oder Elektronik. Neben Nils Frahm haben sich eine ganze Reihe von Künstlern gebildet die dieses Handwerk ausführen – Francesco Tristano, Martin Kohlstedt, Max Richter oder Ólafur Arnalds um nur einige zu nennen. Letzterer gastiert am 15. Oktober ebenfalls im Posthof. Neo Klassik bricht bewusst mit den Regeln konventioneller, klassischer Musik und erweitert sie um Elemente die auf den ersten Blick nichts in diesem Metier verloren haben – im Falle von Nils Frahm eben mit elektronischen Beats a lá Moderat. Dass aus diesem Mix dann tatsächlich gute Musik entsteht liegt wohl auch zu großen Teilen am herausragenden Künstler selbst.

Die Bühne ist bei seinen Konzerten meist bestückt wie ein kleines Musikgeschäft. Der Komponist gleitet von einem Klavier zum anderen und dreht ästhetisch an den Knöpfen seines Mischpults wie ein manischer Dj. Frahm eröffnete sein Gastspiel in Linz mit dem Intro seines neuen Albums, jedoch ruhiger und minimalistischer als auf der Platte. Danach wechselten sich Klavierballaden mit elektronischen Hymnen ab und weckten im Zuseher durchaus auch den Drang auf Bewegung. Apropos Bewegung – das Stichwort zum einzigen Manko des Konzerts. Dass schönes Wetter und die Aussicht auf ein gutes Konzert den Durst nach Bier wecken ist ein altbekanntes Phänomen. Leider führte dieser Umstand, sowie natürlich auch andere zu einer gewissen Unruhe im Publikum. Ein reges Kommen und Gehen zeichnete sich fast durch das ganze Konzert. Dies war bei den lauten, elektronisch wuchernden Momenten kein Problem, jedoch sehr wohl in den ruhigen, nur vom Piano getragenen. Nichtsdestotrotz war das Konzert eine mehr als gelungene Performance des Berliner Musikers.

Fotos: Florian Lichtenberger

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