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NOFX: verschwitzte Partynacht im Schlachthof

Aus der Kategorie: „Dass wir das mal erleben dürfen…“ – NOFX haben vergangenen Freitag vor knapp 700 begeisterten BesucherInnen ein ausverkauftes Konzert im Alten Schl8chthof Wels gespielt. SBÄM und die günstige Lage zum Punk Rock Holiday machten es möglich. Als Vorbands durften Reno Divorce und Blowfuse einheizen.

Derartig auf Hochtouren musste die gute, alte Belüftungsanlage im Schlachthof wohl schon länger nicht mehr arbeiten. Bei knapp 32 Grad Außentemperatur fühlt man sich ja eher auf einem Open Air als in einem dunklen Konzertsaal beheimatet, aber für die einmalige Chance, NOFX im Rahmen so einer intimen Clubshow sehen zu können, nimmt man das bisschen Schwitzen gerne in Kauf – dachten sich wir und noch knapp 700 andere Begeisterte. Die Band nahm auf dem Rückweg vom heurigen Punk Rock Holiday in Tolmin (SLO) noch zwei Konzerte im Vorbeigehen mit – eines in München und eben eines in Wels. Also wieder mal ein Abend Festivalfeeling in der Messestadt. Dass wir NOFX mal in diesem Rahmen sehen würden, hätten wir uns auch nie gedacht. Aber mittlerweile scheint bei SBÄM alles möglich zu sein.

Let’s start at the beginning:
Zur Primetime um 20:15 eröffnete Reno Divorce den Abend. Die kommen aus Denver und gehören dort mittlerweile zu den Urgesteinen der lokalen Punk-Szene während sie in Europa eher als Geheimtipp gelten. Melodisch eingängiger Punk Rock, der hier und da mal einen Anstrich von Rockabilly und Country bekommt. Nicht überragend, aber sehr solide und sympathisch und mit einem sehr gelungen Gastauftritt aus dem Publikum.

Zwischen den Bands mit den „fetten, alten Männern“, wie es Reno Divorce-Sänger Brent Loveday (ja, der heißt wirklich so!) ausdrückte, spielten die „jungen, hübschen Spanier“ von Blowfuse. Deren Sound ist stark vom Skatepunk der 80er und 90er beeinflusst, hat aber auch noch irgendwo eine Ladung Hardcore abbekommen und ist technisch, vergleichbar mit Bands wie Strung Out, auf der anspruchsvollen Seite unterwegs. Dazu sticht die Band mit Latzhose und New Metal Uniform auch optisch heraus. Die vier Jungs aus Barcelona wissen, wie man ein Publikum erobert und in Bewegung versetzt und Sänger Oscar bewies auch sein eigenes Bewegungstalent bei einer Kletteraktion auf eine der Stützsäulen samt Backflip ins Publikum aus ca. 3 Metern Höhe. Sicherheitsfaktor: sah schon geil aus – ich hätte aber keine Lust drunter zu stehen, wenn das mal schief geht.

Dann kamen NOFX und mit ihnen die Zeit des kollektiven Durchdrehens. Zugegeben: ein paar Kandidaten in den ersten Reihen hatten da schon jegliche Kontrolle über ihre motorischen Fähigkeiten verloren, aber in der pogendenen, tanzenden und schwitzenden Menschenmasse war das defacto wurscht. Fat Mike und Co. hatten viele Hits ihrer 36-jährigen(!!) Bandkarriere mitgebracht und waren (Überraschung!) zum Scherzen aufgelegt. Das mussten auch ein paar Leute aus dem Publikum aushalten. Hier mal ein Kommentar über auffällige Frisuren und Kletterkünste von der einen Seite – ab und zu fliegende Schuhe und Bierbecher von der anderen Seite. So läuft das bei NOFX. Ob „Linoleum“, „Eat The Meek“ oder „Seeing Double At The Tripple Rock“, das Spektrum der Band wurde gut ausgenutzt und sorgte für ein Spektakel, das allen Beteiligten sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. Uns wird es das auf jeden Fall.

Fotos: © Christoph Thorwartl

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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