Crossing Europe 2018: The European Grandma Project

Kaum ein Film könnte ein europäisches Filmfestival besser verkörpern als ein Projekt von neun Regisseurinen rund um den Kontinent. Dabei ist der Anstoß zum zu diesem Film ein ganz simpler, wenngleich ein mehr als bewegender. Neun Omas und neun Enkelinnen, die zusammensitzen und über die Jahre im zweiten Weltkrieg und die Missstände währenddessen und danach in den jeweiligen Ländern plaudern. Zur Aufheiterung der Stimmung sorgte abschließend noch die Frage, wie es mit Liebe und Sex zu früheren, prüderen Zeiten aussah.

Österreich, Israel, Island, Großbritannien, Russland, Italien, Griechenland, Bulgarien und Türkei, neun Länder, bei denen man sich die Unterschiede heutzutage kaum größer vorstellen könnte.  Doch das wohl Beeindruckenste an den neun in die Jahre gekommenen Damen war wohl, dass, auch wenn sie aus verschiedenen Kulturen kommen und noch so verschiedene Charaktereigenschaften vorweisen können, sich die Geschichten vom Erlebten sehr ähnelten. Die Angst in den Augen und die Emotion der Frauen lässt bis heute erkennen, dass es für Zivilisten in Kriegsjahren egal ist, an welcher Front sich das jeweilige Land  befindet, das der blanke Horror sein muss. Eines muss jedoch allen neun zu gute gehalten werden: ihren Humor hat trotz allem keine von ihnen verloren.

Was diese Dokumentation auch so besonders macht, ist, dass man mit Fortdauer des Films immer mehr das Bedürfnis bekommt, sofort seine eigene Großmutter zu besuchen –  und sie zu fragen, wie ihr Leben so war in diesen Jahren. Sofern man noch das Glück hat das nachzuholen. Eine der Regisseurinnen meinte im anschließenden Q&A passend dazu: sie hat jetzt das Gefühl, eine andere Oma zu kennen als zuvor.

Man kann also sagen: dieser Film war bestens ausgewählt für einen Eröffnungsfilm eines tollen Filmfestivals, an dem man zumindest in einer Woche des Jahres das Gefühl hat, Europa sei nicht nur durch den Umstand ein Kontinent zu sein, eins.

The European Grandma Project
Alenka Maly (AT), Hadas Neuman (IL), Fleur Nieddu (GB), Anna Ólafsdóttir (IS), Giorgia Polizzi (IT), Berke Soyuer (TR), Desislava Tsoneva (BG), Maria Tzika (GR), Ekaterina Volkova (RU)
80min
Ome&dU
Weiteres Screening: Di, 1.5., 16 Uhr, City-Kino 1

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