Karl Schwarzenberg - Mein Vater der Fürst
Filmstill: meinvaterderfuerst.at

Mein Vater, der Fürst

Karl Schwarzenberg ist bekannt als Großgrundbesitzer, Politiker, Europäer, Weltbürger und Fürst. Aber er ist auch Vater. Die Regisseurin Lila Schwarzenberg, seine Tochter, versucht in einem ungewöhnlichen Porträt, ihre eher distanzierte persönliche Beziehung zu ergründen.

„Ich will einen Film über dich machen, quasi als Tochter über ihren Vater“, so beginnt eines der Gespräche der beiden. „Ich glaub, das ist das schwierigste überhaupt. Weil etwas Fremdes, das geht, aber in der Familie, das kann ich mir fast nicht vorstellen, wie man das schafft. Aber bitte“, so entgegnet der 84-jährige Patriarch der ehemaligen Adelsfamilie, der noch immer „der Fürst“ genannt wird.

Fürstliche Familienaufstellung

In unterschiedlichen Interviewsequenzen, die zwischen 2016 und 2021 entstanden, wird versucht, die Beziehung der beiden zu ergründen. Mal beantwortet die 1968 geborene Regisseurin selbst die aus dem Off kommenden Fragen ihres Co-Regisseurs, nur um diese Passagen ihrem Vater dann vorzuspielen. Sie will seine Reaktion einfangen. Dann streift sie alleine, oder mit dem Fürsten gemeinsam, durch die vielen Anwesen der Familie, und erzählt. Das Palais Schwarzenberg in Wien, selbiges in Prag, das Schloss in Murau in der Steiermark (in dem Lila aufwuchs) und das Schloss Orlik, der Familiensitz, in dem Karl bis 1948 lebte. Auch in Tschechien war 1918 bereits der Adel abgeschafft worden, doch der Titel blieb – natürlich inoffiziell – bis heute. Die böhmischen Ländereien verlor die Familie erst in den Jahren 1939 und 1948. Sie emigrierten nach Wien.

Man ist nicht da, um glücklich zu sein

Filmstill aus Mein Vater der Fürst
Filmstill: meinvaterderfuerst.at

Und so dreht sich der Film wechselnd um historische Ereignisse und persönliche Anekdoten. Der Fürst als abwesender Vater, der nach der Samtenen Revolution 1989 nach Prag zurückkehrte, um unter Vaclav Havel als dessen Büroleiter zu arbeiten. Später war er verschieden politischen Rollen aktiv, und zwischen 2007 und 2013 mehrmals Außenminister unterschiedlicher Regierungen. Bei der Präsidentschaftskandidatur 2013 muss er sich Miloš Zeman knapp geschlagen geben. Er behielt seinen Sitz im Abgeordnetenhaus und schied erst 2021 aus der Politik aus.

Emotional bleibt bei dem Film, wie auch in dem Leben der beiden, vieles auf der Strecke. Die Kindheit, die Scheidung von der Mutter, ein Unfall, ein Kuckuckskind, und ein Leben mit Traditionen und Normen aus einer vergangenen Zeit – gesprochen wurde früher darüber wenig. Oft merkt man, wie die Tochter noch immer versucht, eine gewünschte Reaktion ihres Vaters zu provozieren. In Ihrer Jugend hatte sie stark rebelliert, mit Diebstahl, Alkohol und Drogenmissbrauch. Das hatte Karl auch nicht aus der Fassung gebracht, er brachte sie selbst zum stationären Entzug. Vieles aus der privaten Geschichte wird nur angedeutet, aber nicht zu Ende erzählt. Es hängt unausgesprochen zwischen den beiden schwierigen, aber auch sehr ähnlichen Menschen. „Ich kann vor 1.000 Menschen frei sprechen, das ist kein Problem. Aber Familie, das ist schwierig“, sagt der Fürst.


Mein Vater, der Fürst

Regie: Lila Schwarzenberg, Lukas Sturm
Kamera: Christoph Beck, Duli Diemannsberger
Österreich 2022, 79 Minuten

www.meinvaterderfuerst.at

Kinostart: 09.September 2022


Festival Der neue Heimatfilm

24. – 28. August 2022

www.filmfestivalfreistadt.at

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