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Kritik: Glückliche Fügung

Kritik: Glückliche Fügung

„Was denkst du gerade?“ – „Ich denke meistens nicht viel.“Wir begleiten die bieder passionierte Fleischfresserin Simone ein Jahr ihres Lebens, das für sie viele Veränderungen parat hält. Ein One-Night-Stand endet für die alternde Jungfer mit den schlechtmöglichsten Konsequenzen. Diagnose: schwanger.
Durch eine dem ersten Anschein nach glückliche Fügung trifft sie zufällig ihren vermeintlichen Prinzen aus eben jener Nacht wieder, und da beide der Meinung sind, dass man das so machen sollte und sie sowieso nichts besseres zutun haben, beschließen sie prompt eine Familie zu gründen. Der erste Schritt war ja bereits getan, jetzt fehlt nur noch ein Vorstadthäuschen, das auch schon bessere Zeiten gesehen hat und der gähnend langweilige Alltag kann beginnen.
Man kann dem europäischen Film ja vorwerfen, dass er sich langsam entfaltet und dem Zuseher einiges an Geduld abverlangt, doch daraus erschließt sich meistens der Reiz, da man im Idealfall durch gut arrangierte Bildkompositionen und/oder inhaltliche Spannung bei der Stange gehalten wird. Regisseurin Isabelle Stever (Erste Ehe, 2002; Gisela, 2005) schildert hier allerdings ein Portrait der Banalität ab, das sich jeglichem Charme entzieht. Man beobachtet das junge Paar etliche Male beim Kochen, Essen oder spannenden Aktivitäten wie Rasenmäher- und Kinderwagenkaufen, alles so aufregend inszeniert wie es sich liest. Die gemeinsamen und alleinigen Unternehmungen der Hauptcharaktere dienen nur dem Selbstzweck um die trostlose Kleinbürgerlichkeit, in der sie gefangen sind, darzustellen,Entwicklung findet jedoch keine statt. Das geht sogar soweit, dass Simone und
Hannes nicht nur versuchen, sich beim Sex gegenseitig einzuschläfern, sondern unweigerlich auch das Publikum.

Die eindimensionalen Charaktere dümpeln in ihrem Trott vor sich hin und selbst die rar gesäten verzweifelten Versuche sie vielschichtiger zu gestalten gehen nach hinten los und wirken gegen Ende des Films nicht einmal mehr lächerlich.

Ich habe mir bei einem Film noch nie so sehr den qualvollen Tod sämtlicher Charaktere herbeigewunschen, nur um endlich den Abspann sehen zu können und diesem Trauerspiel, das als Dokumentation vielleicht noch als Trash-TV durchgehen könnte, ein Ende zu setzen.

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