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Filmkritik: „Der Fluss war einst ein Mensch“

Filmkritik: „Der Fluss war einst ein Mensch“

Ein Deutscher, ein Afrikanisches Land, ein riesiges Flussdelta, einsame Dörfer und irgendwo war da auch noch ein Krokodil. Der deutsche Regisseur Jan Zabeil mit seinem Film über die Fremde, die Einsamkeit und die Verzweiflung.

Eintöniges Grillenzirpen und Vogelgetzwitscher dominieren die Klangkulisse des Films. Nahezu ohne Filmmusik auskommend, zeigt Jan Zabeil einen jungen Deutschen, der sich auf seiner Reise durch Afrika einem einheimischen Fischer anschließt. Pathetisch lang gezogene Kameraeinstellungen zeigen die beiden beim Durchqueren eines riesigen Flussdeltas.

Ein Kampf um‘s eigene Überleben
Eines morgens findet der junge Deutsche seinen afrikanischen Bootsmann tot auf. Ratlos und völlig unfähig der Situation Herr zu werden, nimmt die Odyssee des Protagonisten seinen Lauf. Ein Kampf um das eigene Überleben beginnt. Als er den Leichnam des Fischers schließlich im Wasser zurücklässt und später auf den Sohn des Verstorbenen trifft, wird er mit einem rätselhaften Totenkult der Einheimischen konfrontiert und sieht sich zugleich großen Vorwürfen ausgesetzt. Geplagt von Schuld und Verzweiflung über seine aussichtslose Lage, macht er sich mit dem Sohn des verstorbenen Fischers auf die Suche nach dessen Leiche. Die Jagd auf ein mysteriöses Krokodil gipfelt in einem tosenden Whiteout und lässt den Betrachter ratlos zurück. Der Protagonist jedenfalls, überlebt das Abenteuer.

Robinson Crusoe lässt grüßen
Die Handlung des Films bleibt in vielen Phasen rätselhaft und wirkt sehr fragmentarisch. Quälend lange Situationen des Nichtstuns und der Einsamkeit erfahren nur in den wenigen Szenen ihre nötige Unterbrechung, in denen die Handlungspersonen miteinander interagieren. Der Film scheint irgendwo zwischen „Robinson Crusoe“ und der „weißen Massai“ dahinzuschwimmen. Zumindest wird die Hilflosigkeit eines Europäers, der versucht mit einer ihm unbekannten Umgebung zurecht zu kommen, thematisiert. Diese Hilflosigkeit und Unfähigkeit mit den Einheimischen zu kommunizieren, verleiht dem Film einen sehr lähmenden Charakter – macht ihn für einen Teil des Publikums zu einer anstrengenden Angelegenheit. Dennoch kann man sich teilweise gut in den Charakter einfühlen und sich phasenweise mit der Rolle des einsamen Europäers, in einer ihm unbekannten Welt, identifizieren.

Große Bilder – schwache Story
Der kraftraubende Film scheint sich mit großen Bildern, beeindruckender Landschaftskulisse und authentischen Schauspielern über seine erzählerischen Schwächen hinweg zu helfen. In seiner ästhetischen Wirkung weiß „Der Fluss war einst ein Mensch“ zwar zu überzeugen, der zeitweiligen Langeweile tut dies jedoch keinen Abbruch. Fazit: Man kann den Film mögen – muss man aber nicht.

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion:

2/5 Punkte

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