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Der Posthof schreit: Willkommen im Bilderbuchdschungel

Der Posthof schreit: Willkommen im Bilderbuchdschungel

Willkommen in der Welt, in der junge Menschen mit Musik den gesamten Posthof in Ekstase versetzen. Und die lieben Herren sind keine geringeren als Bilderbuch, die in Oberösterreich das Musizieren erlernten und nun ganze Hallen füllen. Mittlerweile werden sie nicht nur im Internet in den Himmel gelobt, sondern zieren auch die Spitze der Ö3-Top40 Albumcharts. Kein Wunder also, dass sie auch in ihrer Hometown ratzfatz den großen Saal im Posthof ausverkauften und auch die sonst oft so tanzmüden Linzer zum Dancen brachten.
Tja, die Klosterschüler, mit Problemen wie Joghurt auf der Bluse, haben sich eben zu Softdrink schlürfenden Gigolos mit Maschins entwickelt.

Einen perfekten Einstieg in den Abend schaffte Adi Ulmansky. Die israelische Producerin/Rapperin/Sängerin überzeugte mit elektronischen Beats, zu denen sie mit einem Keyboard und ihrer glasklaren Stimme performte. Das Linzer Publikum wirkte zwar eher verunsichert und wippte daher nur ein wenig schüchtern mit, aber die Dame in Weiß ließ sich davon nicht beirren und legte eine geniale Show hin, die mehr als beeindruckend war. Von hinten mit fast ausschließlich weißem Licht angestrahlt und drei Leuchtbuchstaben, wirkte sie beinahe, als stamme sie aus einer anderen Welt.

Als sich Adi von der Bühne verabschiedete, ertönten“old but gold“- Hits aus den 90ies und auf der Bühne befand sich abgesehen von  Instrumenten nur noch ein spiegelnder Parabolschirm. Und dann die erlösenden Trompeten. Bühne in Grün. Willkommen im Dschungel. Schon bei den ersten Takten wusste man, es wird heute Abend gefeiert. Sofort wurde gekreischt, gehüpft und mit den Hüften gekreist (besonders das weibliche Publikum war angetan von den beinahe shakirareifen Künsten von Maurice Ernst).

Die Hits aus dem Album Schick Schock, das vor Sexappeal, Leidenschaft und Selbstbewusstsein nur so strotzt, wird zum Besten gegeben und Sänger Maurice (Antoinette) hat das Publikum ganz klar und gekonnt in der Hand.Aber auch die Anfänge der Band werden nicht vergessen, denn Calypso oder Karibische Träume fehlen nicht auf der Setlist. Die Stimmung dabei etwas gedämpfter – ob das daran liegt, dass diese Hits nicht so tanzbar sind, oder ob vielen wirklich nicht bewusst ist, dass Bilderbuch heuer ihr zehnjähriges Jubiläum feiern, sei dahingestellt.

Die alten Hits sollte aber zumindest eine kennen, denn auch dieses mal wurde die stolze Omi von Maurice wieder ins Lied miteinbezogen und bekam sogar einem Schmatzer vom geliebten Enkerl, das zwischen den Bongotrommeln von „Ein Boot für uns“ einen Sprint zu den Verwandten auf der Galerie hinlegte.

Eines der klaren Highlights war auch Softdrink, wo sich nicht nur die Lichttechnik selbst übertraf und den gesamten Posthof in ein buntes Farbenmeer tauchte, sondern, wo sich die Band von McBishop von Koenigleopold Unterstützung beim Rap-Part suchte und die Hände des gesamten Saals in Richtung oben riss.

Außerdem gibt es in Österreich wohl derzeit kein Kleidungsstück, das sexier ist als gelbe Lederhandschuhe – „Maschin“ brachte die Wände zum Beben und die ersten Zeilen wurden nur vom Publikum in ohrenbetäubender Lautstärke mitzelebriert. Ja, wenn wir laut sein MÜSSEN, dann können wir das sehr gut!

Und auch wenn es bei der Frage, wer in Linz schon mal verliebt gewesen sei, recht ruhig geblieben ist – eins können wir mit Sicherheit sagen – verguckt haben wir uns in euch, liebe Bilderbücher, und freudig erwarten wir das nächste Mal!


Text: Tanja Lindorfer
Fotos: Benedikt Reiter

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