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Antilopen Gang: „Die Drive-By-Shootings kommen uns sehr teuer“

Antilopen Gang: „Die Drive-By-Shootings kommen uns sehr teuer“

Auch die drei „derben“ Rapper der Antilopen Gang konnten es am heurigen Szene Open Air in Lustenau einrichten, ein paar Wörter mit uns zu reden. Warum eine Aversion nicht immer schwarz sein muss und wie der Rap zu den drei Musikern gekommen ist erfährt ihr im Interview.

subtext.at: Wie geht es euch hier am Szene Open Air?
Danger Dan: Sehr gut. Wir waren gerade schwimmen und haben gut gegessen, bis jetzt wars also sehr schön. Wir haben zwar vom Festival noch nichts mitbekommen. weil wir eher wasserbegeistert waren, aber sieht so aus als ob wir da nicht die einzigen wären. Ich hab auch noch andere Bands und Festivalbesucher gesehen. Die Ruhe vor dem Sturm quasi.
Panik Panzer: Ich habe gerade erfahren, dass ich einen illegalen Grenzübergang begangen habe, in dem ich fröhlich über den Alten Rhein geschwommen bin und angeblich ist auf der anderen Seite die Schweiz – ich weiß aber nicht ob das eine Lüge ist.

subtext.at: Euch gibt es ja schon seit 2009, was waren eure Meilensteine bis jetzt ?
Koljah: 2009 haben wir uns gegründet als Antilopen Gang, das war ein Meilenstein. Dann 2013 ist die vierte Antilope gestorben, dass war auch ein Meilenstein, aber nur mäßig als Superevent zu bezeichnen. Und dann kam 2014 der Deal mit den Toten Hose und „Aversion“, das Album, der dritte Meilenstein.
Panik Panzer: Ich würde sagen jedes Album war ein Meilenstein bei uns, wir haben an die 10 Alben oder Eps kostenlos veröffentlicht, das war immer ein Meilenstein.

subtext.at: Glaubt ihr, ihr habt mit eurer Musik den „Jackpot“ geknackt? Also den heutigen Musikgeschmack ?
Danger Dan: Nein
Koljah: Nein, es gibt ganz andere Bands, die den Jackpot geknackt haben. Ich nenn keinen Namen, denn selbst bei Komplimenten kriegt man bei der Rapszene eine auf die Fresse, deswegen kann ich die Namen nicht sagen – aber auch am Szene spielen durchaus Jackpot -Künstler.

subtext.at: Wie seit ihr zum Rap oder generell zur Musik gekommen?
Koljah: Ich bin nicht zum Rap gekommen, der Rap ist zu mir gekommen. Ich fühlte diese Inspiration einst, dass ich als Künstler und Poet nur Rap als vernünftige Ausdrucksform wählen kann. Vorher war diese Punkgeschichte, die uns bis heute noch nachgesagt wird. Aber nur im Rap hast du die Möglichkeit, ganz viel zu sagen – und eine Strophe hat 16 Zeilen. Ich glaube ein Reggae Album hat durchschnittlich auch 16 Zeilen – bei uns hat jeder Song dreimal so viel Text wie ein Reggae Album. Das sind ja beim Aversion Album mit 16 Songs, wenn ich mich nicht verrechnet habe, 48 Reggae Alben.
Panik Panzer: Rap ist zu mir gekommen. In erster Instanz, als mein lieber Bruder Danger Dan anfing zu freestylen, dachte ich derbe das ist ein geiler Rapper, so will ich auch sein. Und ein paar Jahre später, traf ich Koljah und dachte derbe das ist ein geiler Rapper, so will ich auch sein. Und heute bin ich halt besser als beide.(lacht)
Danger Dan: Ich denke auch derbe, so wie Panik Panzer so will ich auch sein. (lacht)

subtext.at: Seht ihr Musiker wie Casper, Haftbefehl,.. als Rivalen á la Gangsterkrieg oder ist man mit anderen Musikern vom selben Genre durchaus auch befreundet ?
Koljah: Ja es ist eher so Gangster, also wenn wir K.I.Z. oder Casper treffen, dann kann es schon mal zu einem „Drive-By-Shootings“ kommen, das Problem ist halt das wir nicht alle einen Führerschein haben und auch keinen Waffenschein, und diese „Drive-By-Shootings“ deswegen oft etwas kümmerlich ablaufen. Aber ärgste Gangsterrevalität. (lacht)
Panik Panzer: Das Problem ist, dass ich als einziger einen Führerschein habe und ich bin ein sehr schlechter Fahrer, und bei den „Drive-By-Shootings“ fahre ich regelmäßig gegen Bäume und anderen Gegenstände, deswegen haben wir auch einen sehr hohen Autoverschleiß. Um zurückzukommen zur letzten Frage – deswegen haben wir auch den Jackpot noch nicht geknackt, weil wir immer so hohe Kosten bei der Anschaffung der Autos haben. Das wir einfach nicht vorwärts kommen.
Danger Dan: Das letzte Auto hab übrigens ich kaputt geschossen, und zwar zusammen mit Casper aus dem Tourbus von K.I.Z.

subtext.at: Euer neues Album „Aversion“, gegen was oder wem richtet sich der Titel? Also welche Abneigung ?
Danger Dan: Die Aversion ist falsch verstanden, die Aversion ist eine fehlgeleitete Liebe, die in erster Linie mir selbst gilt.
Panik Panzer: Es gibt vieles wo ich eine Aversion bekomme, zum Beispiel Egoismus, heute Nacht war es so,  ich und die verschiedenen Bandmitglieder die aus allen Himmelsrichtungen kamen, wir haben uns in Fulda getroffen. Ich bin die letzen zwei Stunden als einziger Auto gefahren, während alle anderen gepennt haben und als wir dann ankamen, stürmten alle aus dem Auto und suchten sich im nächsten Gefährt die besten Plätze, während ich das Auto aufräumte. Da hab ich eine Aversion gegen meine Freunde bekommen.
Danger Dan: Das ist sehr egoistisch von Panik Panzer, er denkt nur an sich. (lacht)

subtext.at: Das Album ist fast genauso bunt und fröhlich gestaltet worden wie eure Homepage. Will man mit den Blümchen und Regenbogen etwas spezielles aussagen?
Danger Dan: Die Regenbogenfarben auf dem Album haben was damit zu tun, dass dort auch ein Regenbogen drauf ist und der ließ sich nur in Regenbogenfarben abbilden (lacht).
Koljah: Man würde sich ja eine Aversion eher trist und grau vorstellen. Vielleicht ein schwarzes Cover, ohne jetzt die Farbe Schwarz negativ zu bewerten zu wollen. Das ist eine sehr gute Farbe. Gothic und Blackmetalbands sind teilweise auch sehr lebensbejahende Bands. Anarchisten tragen auch sehr oft schwarz und die Flaggen sind ja auch meist schwarz. Wir aber dachten ,wir brechen das auf mit der Aversion und machen stattdessen ein sehr buntes, absurdes Cover, um damit einen dermaßen großen Widerspruch zu schaffen. Dass jeder sich für immer dieses Cover merkt und vielleicht sich das dann auch auf LP kauft, weil es da dann besonders groß ist.

subtext.at: Von Außen nach Innen. Auf der Platte befinden sich sehr ernste Texte, die viel Tiefgang haben. Warum ist es euch wichtig mit euren Songs eine politische Aussage zu transportieren?
Danger Dan: Es ist uns nicht wichtig mit unserer Musik eine politische Aussage zu tätigen. (lacht)
Koljah: Du lügst doch.
Panik Panzer: Danger Dan ist es schon wichtig eine politische Aussage in den Texten zu tätigen.
Danger Dan: Nein. Ich bin ein ganz normaler Dude, der immer in Antifakneipen herumhängen tut, und ich kenne mich mit keinen anderen Thema aus. Ich würde auch gerne über Schmuck und Goldketten rappen oder auch über meine Muskeln, aber weder Schmuck noch Goldketten noch Muskeln habe ich, ich bin da etwas einfältig.
Panik Panzer: Wir sind ja alle Menschen, die sich für politische Themen interessieren und dann kann durchaus einmal eine Zeile oder ein ganzer Song damit zu tun haben. Aber es ist nicht wichtig, es passiert halt meistens. Und wenn wir mal ein ganzes Album machen, wo nichts Politisches zur Sprache kommt, dann ist es auch ok so. Das ist kein Muss.
Koljah: Ich gebe zu bedenken, dass auch die Thematik des Schmucks, die in Rapkreisen durchaus weit verbreitet ist, auch eine politische Komponente hat. Ich sag nur Blutdiamanten.

subtext.at: Etwas was mich selbst sehr interessiert, da ich mich mit dem Thema Rassismus durch meine Tätigkeit an der KZ Gedenkstätte Mauthausen tiefgehend beschäftigt habe. Ihr macht in euren Texten eine klare Aussage gegen Rechts. Wie würdet ihr die momentane politische Lage in Deutschland beurteilen?
Danger Dan: Erste Sahne, der Vizekanzler telefoniert mit Til Schweiger und klärt die Dinge fürs Volk, da ist Bewegung drinnen. Die Kanzlerin, ist volksnah, die CDU gibt sich Mühe in den Dialog mit den Bürgern zu treten. Ich spüre da einen frischen Wind (lacht).
Koljah: Ich weiß nicht wie weit Til Schweiger-Filme in Österreich erfolgreich sind. Til Schweiger ist ja in Deutschland ein sehr erfolgreicher Schauspieler und er wird zurzeit als das neue antifaschistische Gewissen Deutschlands hochgehalten. Ein Mann, der vor einem Jahr in einer Talkshow gesagt hatte, die Menschenrechte dürfen für Sexualstraftäter nicht gelten, weil das keine Menschen sind oder so etwas in der Art. Also ich glaub er wollte sogar die Todesstrafe neu einführen. Aber jetzt gerade weil er auf seiner Facebookseite irgendwelche fremdenfeindliche Kommentare mit Beleidigungen gekontert hat, ist er grad „everybodies Darling“. Was sehr bezeichnend ist für Deutschland. Auch seine Filme generell sind sehr bezeichnend für Deutschland, aber ich muss zugeben, ich mag die Filme auch sehr gerne. Also „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ sind genau mein Ding. So romantische Komödien. (lacht)
Danger Dan: Aber back to Topic. Es gab in in Deutschland noch nie so viele rassistisch motivierte Straftaten, Brandanschläge und Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte wie in diesem Jahr. Und da kocht eine Stimmung hoch, die besorgniserregend ist.

subtext.at: Ihr habt ja selbst auch schon ein Konzert gespielt für Flüchtlinge – glaubt ihr, ihr könnt mir eurer Musik ein Statement machen, damit die Leute umdenken und begreifen, dass der Hass nicht richtig ist?
Danger Dan: Ich glaub nicht. Ich glaub diese besorgten Bürger, die da herum standen beim Konzert die werden sich in keinster Weise davon beeindrucken lassen. Aber ich glaub, es war für die Leute, die da wohnen, schön, dass jemand kommt und sagt „Schön das ihr da seit, ihr seit willkommen und lasst uns mal für 10 Minuten vergessen was hier passiert und lasst uns tanzen und Spass haben.“ Aber die Leute, die in der Nachbarschaft wohnen, die bewegt das kein bissche. Da benötigt man ganz andere Methoden.

subtext.at: Was würdet ihr RapperInnen wie „Dee Ex“ die sich offen dazu bekennen „Patriotisch“ zu sein am liebsten mitteilen?
Panik Panzer: Dee Ex ist ja nicht nur „Partiotin“, sondern bewegt sich ganz klar in Neonazikreisen. Wenn ich mich richtig erinnere hat sie auch ein Video gedreht, wo sie auf einem Holocaust Mahnmahl herumsteht. Ist furchtbar, und gleichzeitig musikalisch schrecklich. Wenn sie wenigstens Talent hätte .Aber davon halten wir nichts.
Danger Dan: Hätte sie einen Autounfall, würde es mich nicht stören.

subtext.at: Glaubt ihr hat man im jetzigen Musikgeschäft mehr Erfolg wenn man seine politische Meinung offen dar legt ?
Koljah: Glaub ich nicht. Es kommt natürlich darauf an welche politische Richtung man vertritt, aber wenn man jetzt keine mehrheitsfähige Position vertritt, wird man kaum die Mehrheit für sich begeistern können. Es wird gerade in Deutschland im Bereich der Rapmusik sichtbarer, dass es auch Leute gibt mit politischen Texten. Aber dass das sich jetzt erfolgreicher im Sinne von Verkaufszahlen oder Leute, die auf die Konzerte kommen positiv auswirkt würde ich eher bezweifeln. Der erfolgreichste Rapper in Deutschland ist immer noch CRO – und unpolitischer geht es glaub ich nicht.
Danger Dan: Ich glaub es kommt auch auf die Konsequenz an. Wenn ein Til Schweiger irgendwann eine Parole gegen Nazis drescht, da freuen sich natürlich alle, außer die Nazis. Aber Nazis sind jetzt auch nicht die wichtigsten Konsumenten, und ich denke ein paar Phrasen machen sich immer gut. Aber wenn es dann eine konsequente Haltung ist, dann wirkt das für die meisten Menschen als anstrengend und unsympathisch. Ich glaube auch wir als Antilopen Gang haben mehr Leute, die uns nicht mögen und uns scheisse finden, als Leute die uns mögen. Aber das ist ja auch ok, Musik zu machen ohne allen zu gefallen.

subtext.at: Jetzt gehen wir davon aus, dass es nur wenige Menschen gibt, die euch scheisse finden. Und ihr mit 70 Jahren noch einen Gig bestreiten müsst. Wie würde das für euch aussehen?
Koljah: Bauhaus. Tristes Bauhaus. „Beate Zschäp hört U2“ und „ Fick die Uni“ im Wechsel, Panik Panzer würde ich mir sogar im Rollstuhl vorstellen und Danger Dan Hardcorealkoholiker. Und ich ganz normal, so wie heute.
Danger Dan: Ja Koljah unglaublich wirr. Sagt die ganze Zeit wirre Dinge. Kriegt keinen Satz abgeschlossen. Redet nur so in Nuancen und Bruchstücken auf der Bühne untersetzt von Lauten.
Koljah: Mach das mal vor bitte.
Danger Dan: Ungefähr so. Hey ähm liebeb Freun *klick* jetzt das nächste Lied wir spielen. Es ist ein ähm Uni fick Lied. Hände wo sind. Hände wo sind. Hände wo sind. (lacht)
Koljah: Ja so könnte es sein mit 70.

subtext.at: Abschließend. Ein kleiner Ausblick in die Zukunft. In der nächsten Zeit irgendwelche weiteren Meilensteine geplant ?
Danger Dan: Wir streiten uns noch, was der nächste Meilenstein sein wird. Der eine oder andere plädiert noch für die Abschaffung der Bundesrepublik Deutschland, das wäre ein Meilenstein. Es könnte aber einfach nur eine Gruppentherapie sein, die schon dringend notwendig ist. Alles im einem wird aber etwas abgeschafft werden.
Panik Panzer: Also ich möchte mir die Bundesrepublik Deutschland anschaffen, also aneignen. Mich nerven die ständigen Gewaltfantasien von Koljah und Danger Dan gegen die Bundesrepublik – deswegen möchte ich mir diese gewaltlos aneignen.
Danger Dan: Die bedienungslose Auflösung Österreichs und Europa wäre mir auch ein Anliegen. Wien darf nicht länger exestieren, diese Stadt ist ekelhaft und darf nicht länger existieren. Wo diese Stadt ist solle in großer ebenerdiger Parkplatz hin, mit Stromanschlüssen.
Panik Panzer: Abschließend: Bochum darf sich nicht verändern. (lacht)

Mehr Informationen zu der Band findet ihr unter:

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