Die österreichisch, tschechische Co-Produktion ist wohl einer der seltsamsten Filme, die ich je gesehen habe. Der Film bringt einen immer wieder mal zum Schmunzeln, ruft zig „What the fuck?“-Momente hervor und inszeniert so schön wie kein Film zuvor das Sterben von Menschen. Ein Werk, das wir eigentlich jedem empfehlen können, der zumindest ein bisschen offen für Außergewöhnliches ist. Einzig und allein eine kürzere Spielzeit hätte gut getan.

Eine eigentlich antike Geschichte in die Moderne zu verlegen ist an sich etwas Außergewöhnliches, gibt es selten und es ist riskant. Entweder man übertreibt es mit den modernen Einflüssen und wirkt so unglaubwürdig, oder der historische Kontext kommt kaum heraus. Menandros & Thaïs trifft diesen schmalen Grat perfekt. Die schönste Frau der Welt, Thaïs, wird nach der Hochzeit mit dem Krieger Menandros von Piraten entführt, deren wahre teuflische Lebensziele in einem Meer aus flauschigem Fell enden. Auf der Suche nach seiner Gattin kämpft dieser nicht nur in verschiedenen Kriegen, sondern auch gegen Rollstuhlfahrer, alte Damen und überreicht Mixer als Gastgeschenke. Zur Gefahr könnte die platinblonde und stets rauchende Hexe werden. Generell wird in diesem Film viel Tabak konsumiert, viel Blut vergossen und Wieselburger Bier getrunken. Nicht zu vergessen der Erzähler, und mein heimlicher Held  – der wunderbare ÖBB-Schaffner im Eurocity auf dem Weg nach Gmunden, mit Umstieg in Attnang-Puchheim. Ich glaube, diese Kurzfassung reicht um zu zeigen, wie einfallsreich dieser Film ist. Dabei war ich noch gar nicht bei dem Panzer, Kaninchen, Bärten, Donauschleusen und Billy the Kid. Unglaublich, auf welche Art und weise hier diese alte Geschichte mit modernen Elementen erzählt wird.

Bereits sprachlich – gesprochen wird sowohl in Deutsch als auch Tschechisch mit Untertiteln – schafft es der Film, hier eine perfekte Mischung zu generieren. Wenn Sätze die direkt aus dem alten Athen stammen von Dialektschimpfwörtern und der Frage des ÖBB-Schaffners nach dem Ticket unterbrochen werden. An Humor, ob gewollt oder nicht, ist der Film sowieso schwer zu überbieten. Mit simpler Gestik und Wortwahl, ohne plump zu wirken. Ganz großartig auf seine eigene schräge Art. Dieser Stil setzt sich auch bei der Inszenierung des Sterbens fort. Mel Gibson wäre stolz gewesen auf diese langwierige, fast verliebte Art, in einem weißen Raum verblutende Menschen in Szene zu setzten. Der Kunstblutverbrauch dieser Produktion muss im Tonnenbereich liegen.

Die Geschichte um die entführte Thaïs an sich ist spannend erzählt, abwechslungsreich und bleibt durch die vielen Szenenwechsel meistens interessant. Betonung auf meistens, denn die Länge ist dann doch etwas zu viel des guten, im mittleren Teil geht dem Film die Luft aus. Statt knapp über zwei Stunden Spieldauer, wären 1:15 oder eineinhalb Stunden besser gewesen, um dieses Abflauen zu verhindern.

Alles in allem trotzdem ein großartiger Film, den ich jedem ans Herz lege. Ich war zugegebenermaßen skeptisch nach dem Trailer und bin positiv überrascht worden. Es ist kein Standardfilm, kein Film wie alle anderen. Er ist lustig, skurril, seltsam und manchmal sitzt man nur verwirrt im Kinosaal und fragt sich, was hier gerade passiert. Eine klare Empfehlung für jeden, der mal etwas anderes sucht und offen für schräge Ideen ist.


MENANDROS UND THAÏS (AT/CZE)
Experimentelles Sandalen-, Liebes-, Actionroadmovie

Moviemento & City Kino
noch zu sehen am 13.4, 21 Uhr
Tschechisch/Deutsch mit Untertiteln

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