Wenn Sprache Wirklichkeit wird, und das Heimatfilmfestival zur Heimat. Knapp 3.500 Besucher*innen kamen zum heurigen Heimatfilmfestival in Freistadt. Dass Heimat unheimlich viele Facetten haben kann, beweist uns die Local-Bühne auf ein Neues – anhand von 80 Filmen.

Zum 30. Mal trafen sind internationale und auch nationale Filmemacher*innen in der kleinen Stadt im Mühlviertel. Freistadt, die Stadt mit dem wohl besten Bier. Dass es aber neben dem Bier noch einen anderen Grund gibt, das Städtchen zu besuchen, hat die Local-Bühne mit ihrer weiteren Ausgabe des Heimatfilmfestivals gezeigt.


Mehr als 80 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme wurden letzte Woche in Freistadt präsentiert. Alle Filme haben jedoch eines gemeinsam: sie zeigen einem die Heimat fremder Menschen, Kulturen und Länder. Es gab neben Filme aus und über Österreich auch Filme aus Russland, Nepal, Frankreich, Ungarn, Slowenien, Tschechien, Deutschland oder der Schweiz zu entdecken. Aber gerade unser Nachbarland Italien, oder besser gesagt Südtirol stand heuer besonders im Fokus. Zu sehen waren Spiel- und Dokumentarfilme aus und über die Region in unterschiedlichen Programmsektionen.

Das Heimatfilmfestival gehört für mich schon seit Jahren zu einem fixen Punkt in meiner Sommerplanung. Bis jetzt habe ich noch kein Filmfestival besucht, das so einen Charme ausstrahlt. Die Details in der Programmierung, bzw. auch der Mut neue und unbekannte Filme zu zeigen. Auch wenn man viel im Bereich der Filmfestivals unterwegs ist, findet man Filme, die einem zuvor noch unbekannt waren. Wolfgang Steininger ist zum Großteil für die Auswahl der Filme zuständig, ihm ist die grandiose Vielfalt von Filmen im Programm zuzuschreiben. Von Komödien, die demnächst regulär ins Kino kommen, bis hin zu sehr special intrest Filmen ist hier alles vertreten.

Aber das macht für mich nicht unbedingt den Charme alleine aus. Viel mehr sind es die Menschen, die hinter den Kulissen arbeiten, die einen schnell als „Wiederholungstäter*in“ identifizieren – schon nach dem ersten Tag. Es wirkt alles wie eine kleine Familie und man fühlt sich, auch wenn man das Mädchen hinter der Bar oder hinter der Kinokassa nicht kennt, doch sehr schnell zugehörig. Ja, und zugegeben das Familiengefühl wird durch den selbst gemachten Kuchen von Maria noch verstärkt – wer kann dem schon widerstehen? Kulinarisch war es dank dem „Gelben Krokodil“, das die Gastro für das Festival leitete sowieso ein Traum. Abseits gab es für die jeweiligen Schwerpunkte auch Buffets – wie das aus Südtirol, mit Speck, Käse und Rotwein.

Ein weiteres Highlight waren für mich auch die Vorstellungen unter freiem Himmel. In die Decke gekuschelt, unter Sternenhimmel einen bewegenden Film wie „Die Beste aller Welten“ zu schauen, hinterlässt bleibende Eindrücke.

Neben den vielen anregenden Gesprächen rund um die 80 Filme gab es auch eine musikalische Begleitung bei freiem Eintritt im Salzhof.

Während dem Heimatfilmfestival verwandelt sich Freistadt. Der teilweise doch sehr ausgestorbene Stadtkern erwacht zum Leben, überall in den Cafés trifft man auf Menschen, die über die letze Vorstellung diskutieren oder gemütlich die Nase ins Festivalprogramm stecken. Die Festivalstimmung ist in der gesamten Innenstadt zu spüren.

Ein Festival, das vor 30 Jahren einen kulturellen Meilenstein im rauen Mühlviertel legte und heute auf knapp 3.500 Besucher zurück blicken kann, hat jegliches Lob verdient. So freuen wir uns auch 2018, wieder dabei zu sein.

 

Gewonnen haben heuer die Filme:

Spielfilmpreis an 1945 von Ferenc Török
Dokumentarfilmpreis an PLATZKART von Rodion Ismailov
Publikumspreis an UNERHÖRT JENISCH von Martina Rieder und Karoline Arn
Die Jugendjury stimmte für den Film DIE BESTE ALLER WELTEN von Adrian Goiginger,

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