Silent Land
Foto: Crossing Europe

Crossing Europe 2022: Silent Land

Ein polnisches Ehepaar macht Urlaub in Italien und wird dabei Zeuge eines tragischen, tödlich endenden Unfalls. Dessen Folgen holen Anna und Adam immer wieder ein, egal wie angestrengt sie versuchen, den Vorfall hinter sich zu lassen.

Nachdem das Paar sich beim Vermieter des Apartments beschwert, dass ihnen ein Haus mit Pool versprochen wurde, dieser jedoch unbenutzbar ist, versichert ihnen der Vermieter, dass das Problem in zwei Tagen behoben sein wird. Der Arbeiter, den der Vermieter schickt, stolpert am zweiten Tag über den Gartenschlauch – der Sturz endet tödlich.

Anna und Adam wirken zwar etwas zerstreut, aber weitgehend emotional ziemlich unberührt von der ganzen Situation. Je länger sie sich jedoch mit dem Thema beschäftigen und mit Leuten in ihrem Umfeld darüber sprechen, desto mehr wird ihnen bewusst, welche Konsequenzen ihre Handlungen, vor allem die, die unterlassen wurden, haben.

Beziehungsprobleme

Der Versuch, die Ereignisse zu verdrängen, scheitert. Adam träumt vom Toten und auch Anna lässt der Gedanke nicht los, dass das Paar die Gelegenheit ein Menschenleben zu retten einfach so verstreichen lassen hat. Der Unfall schleicht sich nicht nur in Adams Träume ein, sondern auch in die Beziehung des Paars. Da sich beide nach den Geschehnissen vom jeweils anderen isolieren und sich ausschließlich mit sich selbst beschäftigen, entsteht eine stumme Distanz, die immer weiter wächst. Die anfängliche Gefühlskälte dem Vorfall gegenüber nimmt ab, während sich der Druck, unter dem sie stehen auf die Beziehung, niederschlägt.

Der Film ist unter anderem ein Portrait moderner Probleme des globalisierten Europas, was besonders klar wird, als die Relevanz um die vollständige Aufklärung vom Tod eines Mitarbeiters zu einer Frage von Integration und illegalem Aufenthalt wird, wobei die Untersuchung schließlich mit eben dieser Begründung an Beachtung verliert. Die leise mitschwingende Botschaft: Reiche Menschen können es sich leisten, passiv zu sein.

Der Humor bleibt durchgehend sehr flüssig und ungezwungen, bewegt sich aber irgendwo zwischen zynisch und sehr skurril. So schlägt ihnen beispielsweise der Vermieter des Ferienapartments nach dem Ertrinken des Mitarbeiters zur Ablenkung einen Tauchkurs vor.

Fazit

Silent Land ist eine Ode an Passivität und Konformität, untermalt von ästhetischen, wohldurchdachten, minimalistisch gestalteten Bildlandschaften.

Silent Land

CICHA ZIEMIA / Silent Land

Aga Woszczyńska
Polen / Italien / Tschechien, 2021
color, 113 Minuten
Polnisch / Englisch / Italienisch / Französisch, OmeU

www.crossingeurope.at

schreibt, fotografiert, filmt