Graffiti & Bananas: von Straßenkunst, Schandflecken und Grauzonen

Ist das Kunst oder kann das weg? Sind das schöne Verzierungen eines tristen Stadtbildes, politische Kommunikationswerkzeuge, oder Ausdruck von Vandalismus? Die Rede ist von Graffitis, Tags und Street Art, die auch in der Landeshauptstadt Linz zum Alltag im öffentlichen Raum zählen. Im Rahmen der Ausstellung „Graffiti & Bananas: die Kunst der Straße“ beschäftigt sich das Stadtmuseum Norico mit Geschichte und Gegenwart der Straßenkunst in Linz. 

Wir kennen das: nicht zuletzt deswegen, weil der „Mural Harbour“ gerne mal in den Mund genommen wird, wenns um Touristenempfehlungen für eine bunte Hafenrundfahrt gibt, ist das Thema Graffiti und Street Art auch in Linz nicht nur medial in den vergangenen Jahren wieder in den Vordergrund gerückt. Das Stadtmuseum Nordico zeigt eine Auseinandersetzung mit dem Thema, die eine breite Palette von Straßenkunst beleuchtet. Seien es verzierte Zugwaggons, Fußball-Ultras des LASK und des SK VÖEST, die Tags schon lange für sich nutzen, Graffitiwände, Tags auf der Straße, die politische Hintergründe haben – Kuratorin Klaudia Kreslehner hat hier in der Ausstellung nichts ausgelassen, von Anfängen im 19. Jahrhundert bis hin zu aktuellen Entwicklungen wie beauftragte Wandgestaltungen ganzer Häuser.

Foto: Norbert Artner

Natürlich beschäftigt man sich mit der alten Debatte, ob solche Kunstformen nun Ausdruck einer lebendigen, kritischen Gesellschaft in der Stadt wiederspiegeln, oder ob die Verzierungen auf nicht-öffentlichen Graffitiwänden, derer es in Linz acht Stück gibt, purer Vandalismus ist, der strafrechtlich verfolgt werden soll. Dies spiegelt sich auch in der Ausstellung wieder, wo ein Fokus auf ein Projekt gelegt wird, das die Unterführung zwischen Neuem Rathaus und Ars Electronica Center vor einigen Jahren aktionistisch bespielte und politisch daraufhin hohe Wellen schlug. Doch auch kleinere Nuancen finden sich in der breiten Palette der Linzer Straßenkunst wieder – verzierte Mistkübel, Graffitis an und unter Brücken, Tags an Häusern – die Frage, wem „die Straße“ eigentlich gehört, wird hier auf viele verschiedene Arten gestellt. Eigens von bekannten Artists wie Skero, Walze, Helga Schager und vielen mehr kreierte Murals mitten in den Ausstellungsräumen runden hier eine gelungene Ausstellung ab, wo man sich nicht nur beim Betrachten der Straßenkunst, sondern auch danach fragt: wem gehört die Stadt? Haben Slogans wie „Reclaim Our Space“ ihre Berechtigung? Alleine deswegen, dass man sich solche Fragen wieder stellen kann, ist ein Besuch der Ausstellung empfehlenswert. Nicht nur deswegen, weil auch unsere #linzistfad-Kampagne Teil davon geworden ist!

„Graffiti & Bananas: die Kunst der Straße“
4. September 2020 – 21. März 2021
Stadtmuseum Nordico
www.nordico.at

Titelfoto: Lisa Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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