Crossing Europe 2019: ATOMLOS DURCH DIE MACHT / Nuclear Free Power to the People

Zwentendorf. Eine Gemeinde, die aufgrund des zwar fertig gebauten, aber nie in Betrieb genommenen Atomkraftwerks jedem und jeder Österreicher*in ein Begriff ist. Es ist Synonym für den Kampf gegen Kernenergie, der spätestens ab Tschernobyl 1986 einen breiten gesellschaftlichen Konsens erreichte, als auch für die größte Steuergeldverschwendung, die nicht von windigen Rechtspopulisten zu verantworten ist. Ebenso steht es für den Anfang vom Ende der Ära Kreisky und der Geburtsstunde der Umweltbewegung in Österreich. Kurz gesagt also eine wichtige geschichtliche Episode der zweiten Republik, die dem oberösterreichischen Filmemacher Markus Kaiser-Mühlecker, im Auftrag für “Atomstopp”, genug Stoff für eine Doku liefert.

Grundsätzlich befasst sich der Film mit der gesamten Anti-Atom-Bewegung in Österreich. Also nicht nur mit Zwentendorf, sondern auch mit den Protesten gegen das als zweites geplante Kraftwerk in St. Pantaleon (anm.: keiner der Protagonisten schaffte es, den Ortsnamen so auszusprechen, wie es in der Umgebung üblich ist) am Enns-Donau-Winkel, als auch gegen die Erweiterung des AKW Temelin (Tschechien) und dem Atommülllager im bayrischen Wackersdorf. Zu den Interviewten zählten unter anderem Ex-Landeshauptmann Josef Pühringer, Landesrat Rudi Anschober, Ex-Minister Hannes Androsch sowie diverse Anti-Atom-Aktivist*innen von damals und heute. Dazwischen werden immer wieder Ausschnitte von Vorträgen diverser Expert*innen gezeigt, die wissenschaftliche Fakten beisteuern. Der Film beginnt und endet mit einem Werbevideo der Atomindustrie, die für die Volksabstimmung 1978 angefertigt wurde.

Es wird gezeigt, wie durch Reaktorbau, -rückbau und Endlagerung Atomenergie ökonomisch absolut ineffizient ist und nur dazu dient, für den Kriegsfall spaltbares Material im Land zu haben. Bedenklich ist auch die Tatsache, dass die EU bis heute Atomkraftwerke im Milliardenbereich subventioniert. Im letzten Drittel beginnt der Film vom Thema Atomenergie abzuschweifen und gibt Ausblick, wie wir in Zukunft die grundlegenden Fragen zu ökologischer und erneuerbarer Energien und nachhaltiger Nutzung von Ressourcen beantworten sollten.

Aufgrund der etwas trockenen Materie schafft es die Doku nicht über die ganze Länge Einen zu packen, für eine Produktion mit nur begrenztem Budget ist das aber durchaus in Ordnung. Für alle, die thematisch interessiert sind, sind es definitiv sehenswerte 72 Filmminuten. Zu sehen ist „Atomlos durch die Macht“ am 30.04 im Ursulinensaal.

ATOMLOS DURCH DIE MACHT / Nuclear Free Power to the People
Kaiser-Mühlecker
Österreich 2019
72 Minuten
Deutsch/Englisch
dOF
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Chemiewerker in der Stoistodt. Gesellschaft, Musik und Fußball

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