Moving Images – Open Borders

Während die Musikfestivals dieses Jahr nach und nach wieder abgesagt werden müssen, freuen sich die Filmfestivals nach einem Jahr Zwangspause über die gute Auslastung – doch die Branche hat ein Problem.

Sommerliche Hitze, viele Menschen, und eine beeindruckende Performance auf der Bühne – das duften wir letzte Woche im sommerlichen Palić erleben. Der kleine Ort in der Vojvodina, dem Norden von Serbien, richtet seit 28 Jahren ein Filmfestival aus, das sich dem europäischen Kino widmet. Die Sitzreihen vor der Summer Stage, einer von alten Bäumen umgebenen Open-Air-Theaterbühne aus den 1950ern, sind gut gefüllt. Doch der Altersdurchschnitt der BesucherInnen liegt jenseits der 40 Jahre, sagt uns Ilija Tatić, der Executive Producer des European Filmfestival Palić in Serbien.

Die Summer Stage beim European Filmfestival Palić ist gut besucht.

Filmfestivals haben seit jeher ein besonderes Publikum. Während manche mit Hollywoodstars auf dem roten Teppich glänzen und sich andere als Netzwerktreffen der Branche (FilmemacherInnen, Produktionsfirmen, DrehbuchautorInnen, etc.) positionieren, geht der Fokus aufs eigentliche Publikum, das einfach gerne ins Kino geht, manchmal verloren. Also lud das MIOB-Netzwerk zum Workshop ein. Wir sollten die „next cinephile generation“ finden.

Wie kriegt man junge Menschen wieder ins Kino?

MIOB, Moving Images – Open Borders, ist Verbund von internationalen Filmfestivals mit europäischer Programmausrichtung. Die Festivals aus Österreich, Spanien, Serbien, Frankreich, Litauen, Italien und Deutschland haben sich der Leidenschaft für junges Kino verschrieben und wollen in Zukunft auch inhaltlich, programmatisch und organisatorisch stärker zusammenarbeiten. Ein Anfang wurde mit dem zum ersten mal 2021 beim Crossing Europe Filmfestival Linz vergebenen MIOB NEW VISION AWARD gemacht. Der Online Audience Award MIOB IN SHORTS wird nach dem Online-Voting beim FilmFestival Cottbus im November vergeben (hier abstimmen).

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Workshop kamen aus Irland, Nordirland, Serbien, Russland und Österreich. Alle von uns haben Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen der Filmindustrie gemacht –ob als KritikerInnen, JournalistInnen, HerausgeberInnen, Jury-Mitglieder, SchauspielerInnen, MusikerInnen oder Social-Media-ManagerInnen. Dieser spannende Mix aus Wissen und unterschiedlichen Zugängen führte zu einigen Diskussionen.
Denn mit ein paar schönen Instagram-Posts von angesagten InfluencerInnen ist es nicht getan. Ein Film lässt sich nicht wie ein Schuh verkaufen, und ein Filmfestival noch weniger. Es gilt, die richtige Stimmung zu vermitteln und zu zeigen, dass es auch abseits der manchmal etwas schweren Filme viel zu erleben gibt. Zusätzlich gehören Vermittlungsprogramme für unterschiedliche Altersgruppen (von der Schule bis zur Universität), Diskussionsrunden und eben auch Workshops zu den wichtigen Werkzeugen. Ein niederschwelliger Zugang macht es leichter, junge Menschen für Kunst & Kultur zu begeistern. Auch die Arbeit von freien Medien wie subtext.at gehört dazu.

Gemeinsam mit Jelena Petrović-Zvekić (CEO der Agentur Smart Agency aus Subotice) und Ida Prester (Musikerin und Influencerin aus Kroatien) haben wir drei Tage unterschiedliche Zugänge und Möglichkeiten diskutiert, wie das MIOB-Netzwerk in Zukunft das junge Publikum besser erreichen kann. Ob die Lösungen und Ideen in allen sieben Mitgliedsländern gleich gut ankommen werden, wird sich zeigen.


summary

MIOB (moving images, open borders)  is network of the Crossing Europe Filmfestival Linz (AT), Festival de Sevilla (ES), European Film Festival Palić (RS), Les Arcs European Film Festival (FR), Scanorama European Film Forum (LT), Trieste Film Festival (IT) and the FilmFestival Cottbus (DE). All member festivals are dedicated to European cinema with all its artistic facets, regional characteristics and socio-political upheavals. All festivals are European industry meeting points and audience festivals at the same time. The partner festivals are united on a programmatic level by a focus on young talents of European cinema, who are able to familiarise themselves with the mechanisms of the international festival circuit and to establish extended contacts within the international film industry.
This summer, a three-day  MIOB workshop gathered seven young bloggers/vloggers from five countries in Palić, Serbia. Led by Ida Prester (artist) and Jelena Petrovic Zvekic (owner of marketing agency „Smart Agency“), those young professionals discussed tools and possibilities for bringing film festivals closer to young people as well as to create events tailored to the interests of young generation.

participants:

  • Marina Zec & Marija Todorović from Serbia, founders and editors of oblakoder.org.rs
  • Ruairí McCann from Northern Ireland, managing editor at the film & music blog ultradogme.com
  • Mia Sherry from Ireland, writer and film critic, editor at the Trinity Film Review
  • Valya Koshkina from Russia, actress and activist
  • Lisa Leeb & Andreas Kepplinger from Austria, film critics, photographers and editors at subtext.at
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geschrieben von

photographer, designer, journalist

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