Museum Of The Revolution
Foto: Crossing Europe

Crossing Europe 2022: Museum of the revolution

Ein Film über ein ehemalig jugoslawisches Museum, das aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nie fertiggestellt werden konnte. Heute dient es als Zufluchtsort im Winter für unter anderem die drei Frauen, welche hier porträtiert werden. Sie leben in ärmsten Verhältnissen und verdienen Geld durch das Scheibenwaschen an stark befahrenen Kreuzungen. Im Mittelpunkt steht die kleine Milica, welche vor allem durch ihr Charisma und Ihre emotionale Stärke heraussticht.

Langwierig doch metaphorisch – das sind die beiden Worte, die diesen Film wohl am besten beschreiben. Er beginnt gleich mit einem Spruch. ”In der Nacht ist ein Wind aufgekommen und hat unsere Pläne weggeblasen” wird in kleinen Lettern projiziert. Es lässt gleich erahnen, dass es ein poetisches Werk werden wird. Danach folgen wunderschöne, statische Aufnahmen des heute größtenteils in Brüchen liegenden Museums, Aufnahmen, die einen solch uneinladenden Ort auf eine romantisch schöne Weise fotografieren, wie man es noch nie gesehen hat. Immer wieder überrascht der Film mit Kompositionen, die einem das Mundwerk nach unten kippen lassen, so schön schafft es der Regisseur und gleichzeitig Kameramann, das serbische Belgrad zu inszenieren.

Dreierpack mit wenig Plot

Man lernt Milica und Vera kennen. Vera wirkt dabei wie ihre Großmutter, man erkennt erst später, dass es nur eine enge Bezugsperson ist. Generell erfährt man recht wenig. Ihre Mutter komplettiert das Trio später noch und nimmt ihre Tochter immer wieder mit in die Stadt, um dort Geld zu sammeln. Sie muss Schuldenberge abbauen. Es ist ein hartes Leben. Auch wenn dem:der Zuschauer:in nur wenig Hintergrund offenbart wird, funktionieren ein paar Momente dann doch sehr gut. Vor allem, wenn die smarte Milica ihre Sicht auf das Leben in einfachen Worten offenbart.

Eine genauere Charakterisierung ist in dieser Dokumentation bewusst unterlassen worden, es geht wirklich nur um eine Gefühllsvermittlung, ein Herausgreifen eines Lebensabschnitts von Frauen einer gebrochenen Gesellschaft, die sich ihre Hoffnung bewahren möchten. Metaphorisch wird er dann besonders, wenn mit starkem Kontrast gespielt wird. Der dunkle Keller des Museums, das helle Licht eines Lochs im Dach. Ein Licht am Ende des Tunnels?

Eine Augenweide auf dem großen Screen, das ist dieser Film. Eine zurückhaltende Charakterisierung, die es leider gegen Ende dann doch nicht schafft, nicht langatmig zu werden. Laut Q&A ist die reduzierte Handlung gewollt, sie lässt das Publikum dann aber doch mit Lücken zurück, die auch gewollte Interpretationen nicht so richtig füllen können.

Muzej revolucije / Museum Of The Revolution

Srđan Keča
Serbien / Kroatien / Tschechien 2021
91 Minuten
Serbisch / Romani
OmeU

www.crossingeurope.at

Macht mal dies, mal das. Manchmal kommt dann dabei sogar Design, Filmografie oder was Geschriebenes raus.