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crossingEurope Kritik: „Vengeance“

crossingEurope Kritik: „Vengeance“

Wie sinnvoll ist Rache, wenn man sich an den Grund dafür nicht mehr erinnern kann? Der Film „Vengeance“ des chinesischen Regisseurs Johnny Toe wurde zum Themenbereich „Europäisches Genrekino“ für den Eröffnungsabend des crossingEurope Festivals ausgewählt. Es ist eine Französisch-Chinesische Produktion.

Johnny Toe alias Francis Costello spielt in der Hauptrolle einen alten französischen Killer, dem im Laufe der Ausführung seiner Profession eine Kugel im Gehirn zurückgeblieben war. Er weiß, dass er sein Gedächtnis bald verlieren wird. Als er von der Ermordung der Familie seiner Tochter in China erfährt, fliegt er nach Hong Kong, um sie zu rächen. Im Hinterkopf immer die Angst, bald nicht mehr zu wissen, warum er überhaupt da ist. Gemeinsam mit drei anderen Killern der „Triad“ (Chinesische Mafia) sucht er nach den Mördern seiner Enkel und seines Schwiegersohns.

Im Laufe des Filmes beginnt er zu vergessen. Alle Beteiligten, seine neuen drei „besten Freunde“ (in der Hauptrolle der Chinesischen Mafia-Gang: Anthony Wong) erklären ihm immer wieder, wofür er sich rächen muss. Aber wozu die Rache –  wenn er nicht mal mehr weiß, was das ist?

Im Zentrum steht auch die Handhabung des Todes in der Mafiabranche. Einerseits nichts weiter als ein Auftrag, andererseits der Verlust der engsten Familienmitglieder. Kinder werden nur getötet, wenn sie den Mörder ihrer Eltern erkennen konnten. Töten kann man auch zum Spaß, wie der Charakter des Bosses Mr. Fung beschreibt. Am Ende wird er dafür zur Rechenschaft gezogen.

Es ist nicht nur ein Gangsterfilm mit vielen Schießereien, denn das Thema regt auch zum Denken und zu philosophischen Fragen an. Stilistisch hat man selten Schnitte und Einstellungen gesehen, die mehr Spannung aufbauen konnten, die Dialoge und Kampfszenen sind schlichtweg „cool“ – auch wenn zumindest nach der sechsten Schießerei in Zeitlupe die Aufmerksamkeit dafür etwas abhanden kommen kann.

Fazit
Eine Mischung aus Gangstergeschichte im Halblicht chinsesischer Städte und dem französischen Hang zum Dramatischen. Der Sinn der Rache wird hinterfragt.

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