Crossing Europe 2020: Ivana the Terrible

Als Zerreißprobe für die Hauptdarstellerin Ivana lässt sich der Film „Ivana the Terrible“ zusammenfassend beschreiben. Angesiedelt ist er zwischen Dokumentation und Fiktion, zwischen Tragödie und Komödie.

Die gestresste Schauspielerin Ivana (Ivana Mladenović) steht vor einem Nervenzusammenbruch. Sie lässt sämtliche Untersuchungen durchführen, da sie davon überzeugt ist, an einer physischen Krankheit zu leiden. Um sich zu erholen, fährt sie von Rumänien zu ihrer Familie in den serbischen Tourismusort Kladovo an der Donau. Mit einem ruhigen Urlaub will es allerdings nicht klappen. So möchte sie der Bürgermeister zum Gesicht eines Festivals machen. Hinzu kommen Streitgespräche mit Familienmitgliedern und früheren Freund*innen sowie eine Affäre mit einem jüngeren Mann (Luka Gramic).

Die Welt ist im Film der Regisseurin Ivana Mladenović, die einen Ausschnitt aus ihrem eigenen Leben darstellt, eine Zerreißprobe. Ivana scheint ständig im Konflikt, vor allem mit sich selbst, zu sein. Diskussionen kommen oft nicht ohne gegenseitiges Beschimpfen und Anschreien aus. So wie die Figur wirkt der Film angespannt und mit Emotionen überladen. Die Laienschauspieler*innen – Freund*innen (Andrei Dinescu, Zivka Sorejevic) und Familienmitglieder, die sich selbst spielen – sorgen zugleich für Alltagsnähe und das Gefühl einer unsichtbaren Kamera.

Sichtbar sind hingegen Seitenhiebe auf das Patriarchat. Ivanas Familie empfiehlt ihr etwa zu heiraten und Kinder zu bekommen. Dadurch würde es ihr bestimmt besser gehen. Weiter geht es mit Musikerin Anca (Anca Pop), deren Begeisterung über die Organisation eines Klitoris-Festivals wenig Anklang findet, und dem Getratsche als bekannt wird, dass Ivana eine Affäre mit einem 13 Jahre jüngeren Mann hat. Schließlich stellt die Protagonistin die Frage, warum niemand davon ausgehe, dass sie mit einer Frau zusammen sein könnte.

Die Selbstironie kommt nicht immer zur Geltung und hat – ob beabsichtigt oder nicht – etwas Pseudohaftes an sich. Selbiges trifft auf die Gespräche zu, die mehr einen intellektuellen Anschein erwecken als tatsächlich als kluge Äußerung in Erinnerung bleiben. Ivana the Terrible ist kein Film, der sich aus anderen Werken hervorsticht, weder inhaltlich noch durch seinen Stil. Er hatte auf dem Locarno Festival 2019 Premiere und kann derzeit online auf dem Crossing Europe Filmfestival gesehen werden.

CROSSING EUROPE EXTRACTS: VoD
IVANA CEA GROAZNICA / Ivana the Terrible
Ivana Mladenović
Spielfilm // Rumänien / Serbien 2019
89 Minuten
Rumänisch, Serbisch
OmeU
http://www.crossingeurope.at

Unter dem Titel „Crossing Europe: Extracts“ bietet das Crossing Europe Filmfestival Linz ausgewählte Filme des heurigen Festivalprogrammes online „on demand“ an. In Kooperation mit flimmit und Kino VOD CLUB.

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geschrieben von

Katharina ist Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen (z.B. frauenpolitischen) und kulturellen (z.B. Film, Theater, Literatur) Themen. Zum Ausgleich schreibt sie in ihrer Freizeit gerne literarische Texte: https://wortfetzereien.wordpress.com/

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