Freaks Out
Foto: Crossing Europe

Crossing Europe 2022: Freaks out

Zwischen Bombenhagel und Zirkuszauber: Als 1943 der italienische Zirkus „Mezzapiotta“ von Angriffen heimgesucht wird, beschließen die vier Schausteller:innen Matilde, Cencio, Fulvio, Mario und Zirkusdirektor Israel nach Amerika auszuwandern – in den Kriegswirren kommt jedoch alles anders.

Israel verschwindet, Matilde landet bei der Suche nach ihm bei einer Partisanengruppe und Cencio, Fulvio und Mario schließen sich dem „Zirkus Berlin“ an. Dort sucht der 12-fingrige Pianist Franz nach „Freaks“, mit denen er Hitler-Deutschland zum Sieg verhelfen will. Es beginnt eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Reise zwischen Übernatürlichkeit, Kriegsgewalt und Zirkusmagie.

Fulvio, Cencio und Mario schließen sich dem Zirkus Berlin an, während Matilde weiter nach Israel sucht.

Eine Schaustellertruppe auf Abwegen: Die Tänzerin Matilde, die andere mit ihren Berührungen elektrisiert, der Albino Cencio, der Insekten kontrolliert, der Zwerg Mario, der als Clown mit seiner magnetischen Anziehungskraft spielt, und der Wolfsmensch Fulvio begeben sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Zirkusdirektor Israel. Nachdem ihr Zirkuszelt zerbombt wurde, überzeugt Israel sie davon, gemeinsam nach Amerika zu gehen. Zuvor will er noch die nötigen Papiere besorgen und sammelt von allen Geld ein. Als er nicht mehr zurückkommt, entspinnt ein Streit zwischen den Freunden. Matilde will weiter nach Israel suchen, weil sie davon überzeugt ist, dass ihm etwas passiert sein muss. Cencio, Mario und Fulvio sind skeptisch und wollen sich lieber dem „Zirkus Berlin“ anschließen, um ihre Überlebenschancen im faschistischen Italien zu erhöhen. Ihre Wege trennen sich.

Freaks im Widerstand

Franz will Hitler ein Geschenk machen: Weil er die Zukunft sieht, weiß er um das Schicksal des Deutschen Reichs und will es um jeden Preis verhindern.

Matilde schließt sich einer Partisanenbewegung an, die ihr dabei hilft, Israel zu suchen. Im Gegenzug hoffen sie aber darauf, Matildes übernatürliche Kraft im Kampf gegen die Nazis einsetzen zu können. Matilde lehnt das strikt ab – sie will mit ihrem „Fluch“ niemandem wehtun. Als Matilde von einem anderen Partisanen erfährt, wo ihre Freunde mit dem „Zirkus Berlin“ gelandet sind, ändert sie ihren Plan und möchte die drei befreien.

Cencio, Mario und Fulvio offenbart sich in der Zwischenzeit das wahre Gesicht von Franz und seinem „Zirkus Berlin“. Franz kann die Zukunft sehen und will den Untergang des Dritten Reichs und den Selbstmord Hitlers um jeden Preis verhindern. Dafür sucht er unter dem Deckmantel des Zirkus nach „Freaks“, die – wie in einer seiner Visionen prophezeit – das Deutsche Reich zum Sieg verhelfen sollen. Für die vier Schausteller:innen geht es jetzt darum, nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das vieler anderer zu retten.

FAZIT

Gabriele Mainettis zweiter Spielfilm ist ein Feuerwerk an Eindrücken, die einen knapp 2,5 Stunden lang nicht auf die Uhr blicken lassen. In „Freaks Out“ vermischen sich Kriegs- und Fantasyfilm mit komödiantischen Zügen und viel Liebe zum Detail zu einem Spektakel, das von Euphorie bis Schock alle Emotionen abdeckt. Die Charaktere sind spannend geschrieben und eindrücklich verkörpert, Franz Rogowski als Franz überzeugt einmal mehr. Freaks Out ist ebenso eine Hommage an die Andersartigkeit und ihre Bedeutung, was besonders im Setting des Zweiten Weltkriegs einen spannenden Gegenpol darstellt. Ein wahres Kinohighlight, das sicher zu den Höhepunkten des heurigen Crossing Europe Fimfestivals gehört.

Freaks Out

Freaks Out

Gabriele MainettiI
talien / Belgien, 2021
color, 141 Minuten
Italienisch / Deutsch / Französisch, OmeU

www.crossingeurope.at

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