Crossing Europe 2022: LUANESHAT E KODRËS / THE HILL WHERE LIONESSES ROAR

In einer kosovarischen Kleinstadt träumen die drei Freundinnen Qe, Li und Jeta von einem freien, unabhängigen Leben, weit weg von Gewalt, Diskriminierung und Missbrauch der Heimatstadt. Als sie erneut nicht für ein Universitätsstudium zugelassen werden, platzt der Traum endgültig. Aus Frust und Enttäuschung heraus gründen die drei Freundinnen eine Gang, um mit der geraubten Beute endlich ein neues Leben beginnen zu können. Diese vermeintlich gewonnene Freiheit bleibt aber nicht ohne Konsequenzen.

Warten. Tagelang. Wochenlang. Ein Leben lang. Qe, Li und Jeta warten auf ein besseres Leben, aber ihre Chance darauf ist gering. Ihr Leben fühlt sich an wie ein Gefängnis, das noch enger wird, als die Kosovarin Lena für ein paar Wochen Sommerurlaub im kosovarischen Dorf macht. Sie lebt in Frankreich, würde aber lieber hier leben. Es sei einfacher. Es gäbe nicht so viele Entscheidungen zu treffen, weniger Druck. Eine Verhöhnung für Qe, Li und Jeta, die einfach nur eine Chance wollen. Als das Absage der Universität kommt, bleibt ihnen abermals eine Chance verwehrt. Die Perspektivlosigkeit treibt die Freundinnen dazu, eine Gang zu gründen, um sich bei Raubzügen und Diebstählen endlich unabhängig und selbstbestimmt zu fühlen. Eine Entscheidung, die nicht folgenlos bleibt.

Li, Qe und Jeta wollen mehr vom Leben, als ihnen die kosovarische Kleinstadt bietet.

Das Regiedebüt der jungen Regisseurin Luàna Bajrami begleitet die drei Freundinnen bei der schmerzhaften Suche nach Sinn in ihrem Leben. Der Coming-of-Age Film ist eine Hommage an alle eingesperrten Löwinnen der Welt und ein Plädoyer für Chancengleichheit. „Luaneshat e Kodrës“ zeichnet auch das Bild einer wichtigen Freundschaft – der bedingungslose Rückhalt der Freundinnen ist die kraftgebende Konstante im Leben von Qe, Li und Jeta, das in ihrem traditionsgeprägten Dorf sonst von familiärer Gewalt, Missbrauch, Sexismus und Diskriminierung geprägt ist.

Drei Löwinnen, die um ihre Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen und dabei an ihre Grenzen stoßen.

Auch wenn der Film mit teilweise eigenwilligem Schnitt und dramaturgischen Schwächen nicht ganz überzeugt, ist die Geschichte der drei Protagonistinnen umso wichtiger. Die Charaktere sind stark – ihr Kampf mit dem Alltag und für die eigene Freiheit ist authentisch und inspirierend.

Fotos: Crossing Europe

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