Un Monde / Playground
Foto: Crossing Europe

Crossing Europe 2022: Un Monde / Playground

Wir lernen solidarisch mit unseren Menschen zu sein, Missstände aufzuzeigen und Gewalt nicht zu tolerieren. Aber was machst du, wenn dich dein Bruder bittet, leise zu sein? Playground von Laura Wandel gibt einen Einblick in eine emotionale Geschwistergeschichte.

Der Film von Laura Wandel spielt in einer belgischen Schule. Die Geschwister Nora (gespielt von Maya Vanderbeque) und Abel (gespielt von Günter Duret) gehen dort zur Schule. Für Nora ist es, das erste Schuljahr, Abel kennt jedoch die Gepflogenheiten bereits. Neben der Tatsache, dass alle neu ist, muss die siebenjährige auch mitansehen, wie ihr Bruder Opfer von physischem Mobbing wird.

Der starke Sinn für Gerechtigkeit und die Liebe zu ihrem Bruder führen schließlich dazu, dass sie entgegen den Bitten von Abel die Sachlage auch dem Lehr-Aufsichtspersonal und ihren Vater erzählt. Was die Situation für Abel nicht verbessert, sondern eher verschlechter. Er wird weiterhin vor den Augen von Nora von den älteren Mitschülern misshandelt – in Mülltonnen gesteckt oder beinahe in Toiletten ertränkt.

Nora kommt in einen Gewissenskonflikt. Einerseits möchte sie ihren Bruder helfen, aber jede Bemühungen haben es bis jetzt für ihn schlechter gemacht. Dazukommt, dass sie gerade begonnen hat in ihrer Klasse Anschluss zu finden und der Konnex zu ihrem Bruder würde hier eine Barriere darstellen.

Un Monde / Playground

Räumlich findet die Geschichte ausschließlich am Schulgelände statt. Drehorte waren Klassenräume, Gänge, Speisesaal und zum Großteil der Spielplatz im Innenhof der Schule. Der raue Schulalltag und die Emotionen der beiden Hauptdarsteller*innen stehen im Fokus. Erziehungsberechtigte, Lehrer*innen oder Pausenaufseher*innen spielen nur eine nebensächliche Rolle.

Der Film wurde bewusst aus der Perspektive der jungen Protagonist*innen gedreht und war immer auf Augenhöhe der Kinder. Durch diesen Kamerafokus bekam man den Eindruck mitten im Geschehen. Die Verzweiflung, die Angst und die Überforderung von Nora war somit greifbar und berührte sehr. Laura Wandel berührt uns mit ihrem neuen Film auf einer ganz persönlichen Ebene und lässt uns gedanklich zu unseren eigenen Schulhoferfahrungen zurückwandern.

Un Monde / Playground

Fazit

Die Geschichte von Nora und Abel gibt einen realistischen Einblick in das Kindheitstrauma mit Mobbinghintergrund. Das Wegschauen von den erwachsenen Personen, bzw. die Hilflosigkeit dieser, wenn das Mobbing zu extrem wird, wirkt (leider) sehr real. Weitere inhaltliche Episoden wie die Opfer-Täter-Umkehr bei Abel oder das Verdienen von Geburtstageseinladungen schaffen eine greifbare Realness. Die Dynamik, welche sich im Laufe des Films entwickelt und die transportieren Gefühle beschäftigen einem auch noch nach dem Film. Selten habe ich nach einem Film so einen leisen Kinosaal erlebt.

Ein Film, der meiner Meinung nach sehr real wirkt, die Leistung der jungen Schauspieler*innen sehr überzeugend und authentisch sind und wo die ausgezeichnete Kameraführung einen mitten ins Geschehen holt. Der Fakt, dass Playground in 25 Tagen gedreht wurde, steigert meinen Respekt zu diesem Film noch mehr.


Un Monde / Playground

UN MONDE / PLAYGROUND

Drehbuch: Laura Wandel
Kamera:  Frédéric Noirhomme
Mit: Maya Vanderbeque, Günter Duret, Laura Verlinden, Karim Leklou
Belgien 2021, französisch OmeU
72 Minuten

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