Festival „Der Neue Heimatfilm“: Bull

Zwei einsame Existenzen am Rande von Houston. Der alternde Black Rodeo-„Bullfighter“ Abe und die 14-jährige Kris entwickeln im Debütfilm von Regisseurin Annie Silverstein eine ungeahnte Verbindung zueinander.

Kris lebt zusammen mit ihrer kleinen Schwester bei ihrer zuckerkranken Großmutter, ihre Mutter ist inhaftiert. Ihr Nachbar Abe ist Mitte 40 und ist ein ehemaliger Rodeoreiter. Seine Glanzzeiten hat er hinter sich und der alternde Körper macht die Strapazen seines Sports, dem er als „Bullfighter“ weiterhin verbunden ist, nur noch durch einen Cocktail aus Alkohol und Schmerzmitteln mit.

Kris wandelt lethargisch durch die Kleinstadt im nirgendwo. Außer Trinken und Drogen nehmen gibt es für Jugendliche an diesem Ort nichts zu tun. Dennoch kümmert Sie sich liebevoll um die kleine Schwester und sehnt den Tag herbei an dem ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird, um gemeinsam ein neues Leben zu beginnen. Als Kris in Abes Haus einbricht, um ihre Gleichaltrigen mit einem Ort zum Party machen zu beeindrucken, führt das die beiden strauchelnden Existenzen zusammen.

Zur Strafe wird sie von Abe als Helferin eingespannt und lernt den Rodeo-Sport kennen und lieben, bis sie sich sogar entschließt selbst Bullenreiterin werden zu wollen. „Bull“ ist ein langsamer, introspektiver Film. „Slow Burner“ könnte man dazu sagen. Die Dialoge sind spärlich, die Stimmung melancholisch. Es ist eine Nahstudie zweier unterschiedlicher Charaktere, denen das Leben gerade nicht viel Anlass zur Hoffnung bietet und doch erwärmt einem „Bull“ mit einigen kurzen Silberstreifen das Herz. Wenn sie Teil der Rodeo-Welt sein darf, erwischen wir Kris für kurze Momente dabei, wie ihr ein Lächeln über die Lippen huscht und Abe, der gegen sich selbst und jede menschliche Bindung zu kämpfen scheint, beginnt plötzlich eine neue Aufgabe in seinem Leben zu sehen.

„Bull“ ist Kino mit Nuancen. Der Film enthält seinem Publikum eine große Auflösung, lässt viele Handlungsstränge unaufgelöst. Annie Silverstein lässt uns nur für eine Zeit lang Beobachter spielen. Mehr als den leisen Hauch von Hoffnung gibt es am Ende weder für uns, noch für ihre Charaktere.

BULL
Regie: Annie Silverstein
Kamera: Shabier Kirchner
Darsteller: Rob Morgan, Amber Havard, Yolonda Ross u.a.
USA, 2019 | 101 min

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geschrieben von

Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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