Mare ist ein durch Bilder erzähltes Portrait einer Frau, welche in der Rolle der Hausfrau – Mutter – Ehefrau feststeckt, mit einem ungestillten Verlangen nach Freiheit.

Mare ist Mutter dreier Kinder, verkauft nebenbei Kräuterbündel und ist ansonsten Hausfrau. Ihr Mann arbeitet am Flughafen, er kommt zum Essen und zum Sex heim. Der älteste Sohn ist ein Teenager in seiner rebellischen Phase, er schleicht sich heimlich zum Rauchen raus und steht immer in Gefahr von der Schule zu fliegen, auf die er auch keine Lust mehr hat. Die Tochter ist ein Genderinbegriff eines jugendlichen Mädchens, geht gern shoppen, fragt nach dem ersten Kennenlernen der Eltern und wird jetzt Vegetarierin. Der jüngste Sohn ist dann noch die niedliche Ergänzung der Familie.

Mare richtet ihr Leben nach ihren Kindern und ihrem Mann aus, sie geht nicht arbeiten, weil er es nicht will, sie schauen im Fernsehen, was er will, klassische Genderrollen und Machtverteilung herrschen in ihrer Beziehung. Mare arbeitete früher in der Schweiz, ein Aspekt, der immer wieder aufkommt, da sie damit auch eine gewisse Freiheit verbunden hat. Abgesehen von der Schweiz wird ihr auch in ihrer Stadt wiederholt ein Job angeboten, den sie auf Wunsch ihres Mannes nicht annimmt.

Eines Tages trifft sie auf einen jüngeren Baustellenarbeiter, sie beginnt eine Affäre mit ihm. Mit ihm läuft im Fernsehen das, was sie sehen will, er wird für sie ein Symbol der Freiheit, obwohl er im Endeffekt auch wieder nur ein Mann ist. Die Sexszenen, welche einen Großteil des Films ausmachen, mit ihm sind zwar leidenschaftlicher als mit ihrem Mann, aber sie sind immer noch klassisch heteronormativ: er ist immer oben.

Der Film wirft einem immer wieder Fetzen an Information hin, die oft der eigentlichen Handlung nicht dienlich ist und auch zu keinem Ansatz führt. Die Kameraeinstellung gehen selten über eine Halbtotale hinaus, es ist fast so, als würde man neben den Figuren stehen und sie direkt dabei beobachten. Der Film enthält auch viele Bilder, die nur der Stimmung dienlich sind, wie Aufnahmen der Landschaft und vom Rauchen.

Mare ist ein Alltagsportrait einer kroatischen Hausfrau, die ausbrechen möchte aus ihrer Rolle, aber immer an einen Mann gebunden ist, sie versucht die Schuld für ihre Situation zu finden, in einer sich ewig anfühlenden Ausweglosigkeit in der Banalität des Lebens.  Ohne den Sex, die Büsche und das Rauchen wäre Mare ein bildlich alltagsnaher feministischer Kurzfilm, als Langfilm sehr poetisiert.

European Panorama Fiction 2021 / Crossing Europe VOD Premieren 2021
Andrea Štaka
Schweiz / Kroatien 2020
color
84 Minuten
Kroatisch / Englisch
OmeU
www.crossingeurope.at
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