Crossing Europe 2015: In Memoriam Micha Shagrir – Bischofstrasse, Linz

Crossing Europe 2015: In Memoriam Micha Shagrir – Bischofstrasse, Linz

Micha Shagrir ist nicht nur ein liebgewonnener Freund des Filmfestivals Crossing Europe, sondern hat mit seinen unzähligen Filmprojekten Brücken zwischen Europa und Israel geschlagen, ganz im Sinne des Festivals. Micha verstarb heuer in Tel Aviv an einem Krebsleiden, und zu seinem Andenken wurde seine Dokumentation „BISCHOFSTRASSE“ gezeigt.

Der Film wurde 2006 in Linz gedreht und handelt von seiner Heimatstraße, der Bischofstraße. Und vor allem davon, wie viel die Menschen heute noch von der Vergangenheit wissen. Nur durch ein paar Mauern getrennt lebte die jüdische Familie Schwaiger/Sharir von der Familie von Adolf Eichmann. Der Film dreht sich unter anderem darum, wie sich der Zufall entwickelt hätte, wenn die Nationalsozialisten nicht antisemitisch gewesen wären. Wäre es dann zu einer Freundschaft zwischen Micha und Adolf gekommen?

Zum Q&A wurden einige Wegbegleiter eingeladen, und Thema war unter anderem, wie diese den großartigen Filmemacher kennengelernt haben und was für sie ein wichtiger Moment im Film ist. Viele beschrieben ihn als ewig Junggebliebenen, der bis zum Schluss noch agil war, als guten Freund, als Input-Geber und als Person, die ewig in Erinnerung bleibt. Thema des Q&A war auch Michas Vergangeheit, der tragischte Tod seiner Frau, die jüdische Kultusgemeinde Linz, und die „Leckerbissen“ in Michas Wohnung. So ein „Leckerbissen“ ist unter anderem die vergriffene Schallplatte von Gust Maly „Bam im November“, die er von seiner langjährigen Freundin Alenka Maly als Geschenk bekam.

Sechzig Jahre war für Micha Linz nur ein zufälliger Geburtsort. Durch die unzähligen Begegnungen mit Menschen im heutigen Linz und den vielen Gesprächen ist die Stadt für Micha ein Teil seiner Identität geworden, und nahm in seiner Wohnung in Tel Aviv einen präsenten Platz ein. Michael Pfeifenberger, einer der Gesprächspartner hatte die Chance, sich bei ihm zu verabschieden. Einige seiner letzten Worte waren: “ „Wir sehen uns in Linz wieder.“

Micha Shagrir bleibt allen als ein sehr liberaler, kritischer und aufgeklärter Mensch in Erinnerung, und durch das von Wolfgang Schmutz geleitete Q&A hatten so manche Freunde und Bekannte noch einmal die Chance, ihm zu gedenken.

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Konzerte - Filme - Bücher - Musik - Kunst // Sozialarbeiterin - Veranstalterin - Redakteurin - Fotografin

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